Was ist eigentlich das Fleisch?

Was ist eigentlich das Fleisch?

Das ist doch eine spannende Frage, oder? Jesus kam im Fleisch. Paulus vertraute nicht auf Fleisch. Mein Fleisch ist gekreuzigt. Wer im Geist lebt, wird die Begierden des Fleisches nicht erfüllen… Ja, was denn nun? Gekreuzigt, böse, tot, lebendig, scheintot? Oder alles gleichzeitig?

Es ist normalerweise nicht mein Stil über die negative Seite zu sprechen. Aber wir sollen ja die Werke der Finsternis auch aufdecken. Und in diesem Fall finde ich das sehr ermutigend, weil es die glorreiche Wahrheit des Evangeliums aufdeckt, während es die die Lügen des Fleisches entblößt und damit kraftlos macht.

Als Einleitung werden wir über die verschiedenen Fleischsorten sprechen (Rind, Schwein, Hirsch…), um dann bei einer eher ekligen Sorte zu verharren: Dem Fleisch eines Christen!

Oder hat ein Christ überhaupt noch „das Fleisch“? Genau, das ist die Frage. Und wenn ja, welches? Oder welches nicht mehr?

Zuerst einmal kommt der Begriff Fleisch in den genaueren Übersetzungen wie Elberfelder an unterschiedlichen Stellen und Zusammenhängen vor. Dabei beschreibt es tatsächlich sogar unterschiedliche Dinge mit – man staune – dem selbem griechischen Grundwort: „sarx“.

Jesus kam im „sarx“.
Mann und Frau werden ein „sarx“.
Kein „sarx“ würde gerettet werden, wenn die Tage nicht verkürzt würden.
Der Geist ist willig, aber das „sarx“ ist schwach.
Wenn wir nicht das „sarx“ des Menschensohns essen, haben wir kein Leben in uns.
In den letzten Tagen gießt Gott Seinen Geist auf alles „sarx“.

Sarx kommt also in unterschiedlichen Zusammenhängen vor. Interessanter Weise meint es am Schluss doch im Grunde dasselbe, wenn es auch verschiedene Ausgangspositionen haben kann. Dennoch kann es helfen, es in drei Bereiche aufzuteilen:

Körper
sündige Natur
Denkweise

Jesus kam als Mensch, also mit einem menschlichen Körper. Er kam im Fleisch. Hat ER gesündigt? Nein. Sein Körper war also nicht böse. Jesus sagte das Fleisch sei schwach, aber nicht böse. Dies ist ein wichtiger Punkt, denn dein Körper ist nicht mehr böse, wenn du in Christus bist! Es ist ein Geschenk von Gott, welches richtig behandelt werden muss. Die Verlangen des Körpers (Nahrung, Sexualität, Ruhe, Bewegung) müssen geleitet und beherrscht (im Sinne von richtig eingesetzt) werden. Sie sind untergeordnet und müssen vom Geist geleitet werden, um ihr volles herrliches Potential zu erfahren, was Gott so vorgesehen hat.

Später am Kreuz identifizierte sich Jesus im Fleisch mit der Sünde, um sie von uns zu reißen:

„In ihm seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschehen ist, 〈sondern〉 im Ausziehen des fleischlichen Leibes, in der Beschneidung des Christus, mit ihm begraben in der Taufe, in ihm auch mit auferweckt durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat.“ -Kolosser 2, 11-12

Überraschung: „im Ausziehen des sarx Leibes“.

In Christus wurde eine bestimmte Fleischsorte ausgezogen. Und es war nicht der Körper, denn sonst würden wir alle nur noch als Geister herum schweben. Es war die sündige Natur! Die gefallene Natur „in Adam“, das alte Fleisch, der alte Mensch. Beschnitten und weggeworfen. Es gehört nicht mehr zu dir!

Welche Sorte Fleisch bleibt denn jetzt noch übrig, wenn der Körper und die sündige Natur für einen Christen ausfallen? Richtig, eine Denkweise! Lass uns das mal genauer anschauen, denn hier wird es richtig interessant und auch wichtig, vor allem für alle christlichen Leser. Denn die Frage stellt sich: Was ist denn ein fleischlicher Christ eigentlich?

 

Der fleischliche Christ

 

Bevor Paulus im 1. Korinther Kapitel 3 ankommt, nimmt uns der Heilige Geist in eine grandiose Auseinandersetzung zwischen menschlicher und göttlicher Weisheit, in der die Unfähigkeit der menschlichen Weisheit sehr deutlich hervor kommt und wir mit einer eindringlichen Ermahnung konfrontiert werden, uns nicht darauf einzulassen. Stattdessen sollen wir in geistlicher Realität wandeln, welche durch das Kreuz freigesetzt wurde. Das halten wir jetzt mal im Hinterkopf fest. Und dann kommen Kapitel 3 Verse 1 bis 3:

„Und ich, Brüder, konnte nicht zu euch reden als zu Geistlichen, sondern als zu Fleischlichen, als zu Unmündigen in Christus. Ich habe euch Milch zu trinken gegeben, nicht feste Speise; denn ihr konntet sie noch nicht vertragen. Ihr könnt es aber auch jetzt noch nicht, denn ihr seid noch fleischlich. Denn wo Eifersucht und Streit unter euch ist, seid ihr da nicht fleischlich und wandelt nach Menschenweise?“

Paulus redet zu Christen. Er redet zu denen, die er im Eingang desselben Briefes „die Geheiligten in Christus Jesus“ nennt (siehe 1. Korinther 1, 2). Er spricht zu Heiligen, zu solchen, die den „fleischernen Leib“ ausgezogen bekommen haben, zu seinen Brüdern und Schwestern.

Und er bezeichnet sie als „fleischlich“ und „unmündig“. Autsch. Und ratet mal, welches Wort für „fleischlich“ im Grundtext steht. Genau! Es kommt von sarx! (Warum ich das immer wieder sage? Damit klar ist, dass dasselbe Wort im Kontext unterschiedliche Bedeutungen hat und man genauer hinschauen muss, wenn man von „Fleisch“ in der Bibel liest.)

Interessant ist nun, woran Paulus das fleischliche Verhalten der Korinther fest macht? In dem Fall an Eifersucht und Streit (zanken, Wortstreit, debattieren). Mal nebenbei, ist es nicht interessant, wie viel Wortstreit, debattieren und zanken, aber auch wie viel Eifersucht und Neid es unter Christen, in christlichen Blogs, auf christlichen Foren und Webseiten usw gibt? Damit meint Paulus keine demütigen Auseinandersetzungen, in denen man das Gegenüber ehrt, zuhört und eine grundsätzliche Bereitschaft zu lernen hat. Er meint schlicht eine aus Rechthaberei geborene Streitsucht, die nichts mit geistlichem Leben zu tun hat. Fleischlich. Unmündig.

Noch einen Schritt tiefer in dem Ganzen ist das Ende von Vers 3: „…und wandelt nach Menschenweise?“ Wow! Moment mal! Ist Menschlichkeit nicht eine Tugend? Sollen wir nicht menschlich sein? Hmm. Nein! Eine andere Übersetzung nennt es „…benehmt euch wie einfache Menschen?“. Fakt ist, dass wir als Christen keine einfachen Menschen mehr sind. Wir sind neu geschaffen. Wir haben eine göttliche Natur in unserem Geist empfangen und das Alte ist vorbei. Wir sind eine neue Schöpfung. Etwas nie da Gewesenes. Jesus hat es uns gezeigt. Er zeigte uns, wer oder was wir sind. Tempel der Herrlichkeit Gottes, fest in göttlicher Liebe verwurzelte, charakterstarke Wesen, die den Himmel auf die Erde bringen. Wir sind alles, bloß keine „normalen Menschen“ mehr. Wir sind Heilige, Gerechte, in Christus vollkommen erfüllte Glaubende, die das Bild Christi in Wort, Tat und Wesen in diese Welt bringen.
Unser Wesen hat sich verändert. Somit muss sich unser Benehmen ändern. Zu behaupten, wir wären Sünder, würde uns dem traurigen Benehmen der Welt ausliefern und kein Ausweg wäre da! ABER Christus ist nun unser Leben. Die Gnade hat uns beschenkt und nun ist es möglich: Die Streitereien, der Neid, die Ängste, die fehlende Identität, der Liebesmangel, die Suche nach Gerechtigkeit, die Rechtfertigung, die Suche nach Anerkennung, das Beleidigtsein, Rache nehmen wollen, das lieblose Reagieren, die Angst was zu verpassen oder zu wenig zu haben,… all das und soviel mehr gehört der Vergangenheit an! Sünde wurde ans Kreuz genagelt! Wir sind frei!

Nun, das sollte reichen, um dem ein oder anderen ein bisschen den Kopf zum Qualmen zu bringen. Denn spätestens hier sollten uns ein paar Fragen durch den Kopf gehen. All diese Herrlichkeit, all diese Gnade, aber WARUM benimmt sich ein Großteil des Leibes so bescheiden und lebt so weit unter dem Standard, der uns verheißen ist? Wie kommt es, dass wir nach Menschenweise wandeln? Nun, entweder das schöne Leben kommt erst im Himmel, oder wir kommen gerade dem Fleisch auf die Schliche… Dazu schauen wir uns noch mal an, was Paulus über Fleisch schreibt. Denn wir wissen nun, dass es geht: Ein Christ kann fleischlich leben und das ist gleichgesetzt mit Unmündigkeit. Das wiederum würde die Kraftlosigkeit und den fehlenden Sieg im Leib erklären, denn „unmündig“ bedeutet ein Erbe zu sein, aber nicht das Recht zu haben es einzusetzen. Doppel Autsch!

„Denn wir sind die Beschneidung, die wir im Geist Gottes dienen und uns in Christus Jesus rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen,
obwohl auch ich Vertrauen auf Fleisch haben könnte. Wenn irgendein anderer meint, auf Fleisch vertrauen zu können – ich noch mehr:
Beschnitten am achten Tag, vom Geschlecht Israel, vom Stamm Benjamin, Hebräer von Hebräern; dem Gesetz nach ein Pharisäer; dem Eifer nach ein Verfolger der Gemeinde; der Gerechtigkeit nach, die im Gesetz ist, untadelig geworden. Aber was auch immer mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust gehalten;
ja wirklich, ich halte auch alles für Verlust um der unübertrefflichen Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, willen, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck halte, damit ich Christus gewinne“ -Philipper 3, 3- 8

Lass es mich mal in unsere Zeit übertragen:

„Denn wir leben als das Bundesvolk Gottes, die wir all unsere Befähigung vom Geist Gottes empfangen, Jesus Christus unser Leben ist und wir uns nicht auf eigene Kraft verlassen. Dabei könnte ich mir so sehr etwas auf meine eigenen Auszeichnungen, Errungenschaften und mein adliges Geburtsrecht einbilden: … „

Kannst du es sehen? Paulus benennt Äußerlichkeiten, Titel, Herkunft und das Verlassen auf sich selbst als „Fleisch“. Letztendlich lässt er alles los und hält es für Dreck (bessere Übersetzung wäre hier „Kot“), damit er die Erkenntnis Christi gewinnt.

Eine Überreaktion wäre hier, gleich alles als Mist hinzustellen, also Herkunft, Ausbildung, Titel usw. als zwecklos und sinnlos zu betrachten. Das ist nicht, was Paulus meint. Er selbst nutzte geschickt sein römisches Bürgerrecht, um von Peitschenhieben verschont zu bleiben (siehe Apostelgeschichte 22, 24- 29). Man kann diese Äußerlichkeiten weise einsetzen, um das Evangelium zu verbreiten. Doch eins wird klar. Verlasse ich mich auf diese Dinge im Bezug auf mein neues Leben in Christus, wird es mir schwer fallen dieses Christus-Leben zu erkennen. Und entweder werde ich stolz, oder ich werde minderwertig und eingeschüchtert. Beides gehört zu der ekligen Fleischsorte, von der wir hier reden.

Gehen wir kurz zu 1. Korinther 1 Verse 25- 29:

„Denn das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen. Denn seht, eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache. Und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichte mache, dass sich vor Gott kein Fleisch rühme.“

Die sich von Jesus haben finden lassen und in ihrer Berufung wandeln, sind „nicht viele Weise nach dem Fleisch“. In anderen Worten, es sind nicht viele von denen, die sich arrogant auf ihr eigenes Wissen, ihre eigene Erkenntnis, ihren Stand in der Gesellschaft, Titel, Geld, Ansehen, Ausbildung usw. verlassen haben. Es sind die, die kindlich geglaubt haben. Es sind die, die all dem Genannten nicht erlaubt haben, sich vor kindliches Vertrauen zu stellen.

Das Fleisch erhebt sich also gegen Gott, in dem es versucht wie Gott zu sein. Kennen wir das nicht? Erst versuchten es Adam und Eva. Sie waren schon in seinem Bild (also Gott ähnlich), doch vielen auf die Lüge herein, sie könnten es losgelöst von IHM und ohne IHN werden (Die Lüge der Unabhängigkeit.). Dadurch verloren sie Sein Bild. Dann versuchte es der Teufel. Und fiel ebenso.

Das Fleisch ist die arrogante Lüge der Unabhängigkeit. Das Aufblähen des Menschen gegen Gott, ob bewusst oder unbewusst: „Ich brauch dich nicht, ich schaff das alleine!“

Diese Denkweise kann sich auch in dem neugeborenen Christen fortsetzen. Er ist zwar ein Christ, aber er beurteilt alles durch seine fünf Sinne und denkt wie die Welt. Sein Denken ist nicht erneuert, er kennt keine göttliche Weisheit. Er handelt wie der Atheist nebenan, rastet genauso aus, ist genauso besorgt, will genauso Gerechtigkeit (Rache), kriegt in schwierigen Situationen Angst und kämpft ums Überleben oder ist stolz und hart, wenn er äußerlichen Erfolg hat. Fleisch. Der Unterschied ist vielleicht, dass er versucht weniger zu sündigen, was ihm nur sehr mäßig gelingt. Noch mehr Fleisch. Alles kommt aus seinem Selbstfokus. Ganz viel Fleisch!

Hier können wir zum Beispiel sehen, wie fleischlich die Lehre ist, dass wir noch Sünder sind, obwohl Jesus es am Kreuz vollendet hat. Warum? Weil diese Lehre von dem ausgeht, was sie erlebt. Nämlich Versagen. Also wird geschlussfolgert, dass wir noch Sünder sind. Fleisch. Warum? Weil dafür kein Glauben an unsichtbare Wahrheit im Geist notwendig ist. Glauben braucht man dafür: „Ich bin heilig und gerecht durch Jesus Christus!“ Das ist im Geist wandeln. Mit Augen des Glaubens sehe ich etwas Unsichtbares und erachte es als höhere Realität als die Realität, die ich mit meinen irdischen Sinnen wahrnehme. Und was noch? Genau! Ich verlasse mich nicht auf mich und strenge mich an, „heiliger“ zu werden, sondern verlasse mich völlig auf Jesus. Und Jesus wird nicht versagen! Und dann ist gewiss: ER bekommt alle Ehre.

Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen. Wir sehen nicht auf das Sichtbare, was vergeht, sondern auf das Unsichtbare, Ewige. Wir sinnen auf das, was oben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist. Wir sind die Gerechten, die im Glauben leben. Alles, was wir tun, tun wir aus Glauben.

Nun, Glauben ist im Unsichtbaren verwurzelt. Glaube sieht das Unsichtbare, um es im Sichtbaren zu manifestieren.

Die geistliche Welt und alle geistliche Realität liegt im Unsichtbaren. Ohne Glauben ist es also unmöglich, das zu ergreifen. Im Unsichtbaren liegt das vollbrachte Werk vom Kreuz. Im Unsichtbaren liegt deine vollkommene Annahme von Papa-Gott. Im Unsichtbaren liegt deine Heiligkeit, dein Sieg über Sünde, deine neue Natur. Alles im Geist. Und jetzt rate mal was:

Ich sage aber: Wandelt im (oder „durch den“) Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen. -Galater 5, 16

Merkst du was? Im Geist wandeln heißt, in Realität wandeln. Diese Realität ist nicht unbedingt unsere Erfahrung. Man müsste sogar sagen, es ist recht selten unsere Erfahrung. Und deshalb lesen wir die Bibel falsch. Statt im kindlichen Glauben die Wahrheit zu nehmen und zu erleben, wie unsere Erfahrungen sich mehr und mehr der Wahrheit angleichen, nehmen wir unsere schlechten Erfahrungen und versuchen damit die Wahrheit anzupassen.

Und hier sehen wir ein Hauptmerkmal von Fleisch: Es schaut auf das Sichtbare. Situation, Information, Bankkontozahlen, menschliche Prognosen, Diagnosen… und versucht es selbst zu lösen.

 

Fleisch rühmt sich in sich Selbst, Gnade rühmt sich in Christus

 

Warum hat Gott das Törichte erwählt? Damit sich vor Gott kein Fleisch rühme! In wem rühmen wir, die (geistlich) Beschnittenen, uns? Wir haben es gelesen: in Christus! Nicht in uns selbst!

Aus ihm aber kommt es, dass ihr in Christus Jesus seid, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung; damit, wie geschrieben steht: “Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!” 1. Korinther 1, 30- 31

Deutlicher kann es nicht mehr gehen. Alles kommt von Gott. Er ist unser Leben. Wir rühmen uns in Christus und nicht in unseren Fähigkeiten und Möglichkeiten. Wir versuchen es nicht selber! Wir geben uns an den ab, der es alles vollbracht hat und glauben IHM, dass ER es in uns hervorbringt. Wir bleiben in der Verbindung zum Weinstock und sind einfach gute Reben, weil wir eins mit Seinem Geist sind. Wir versuchen nicht mehr weniger zu sündigen, wir glauben, dass ER unsere Heiligkeit ist! All unser Ruhm gilt Christus und Seinem Werk! In allem schauen wir auf IHN, weg von uns. Das ist die Gnade! Das ist die Befähigung Gottes Seinen Willen zu tun, damit Er alle Ehre bekommt! Kein Eigenkrampf mehr! Kein Hamsterrad-der-toten-Werke mehr! Keine Tretmühle der fruchtlosen Versuche „heiliger“ zu werden mehr! Wir sind erlöst und Christus ist unsere Erlösung! Wir sind in IHM.

Ok, ok, zurück zum Fleisch. Darum geht es ja schließlich hier. Was ist nun das Fleisch?

Das Fleisch ist das Verlassen auf sich selbst.

Das Fleisch vertraut auf die Wahrnehmung und Schlussfolgerungen der fünf Sinne und damit dem Denken der Welt.

Das Fleisch muss sich immer beweisen, um Anerkennung zu finden.

Das Fleisch versteckt sich gerne hinter religiösen Werken wie Fasten, persönliche Opfer bringen, besondere Offenbarungen und Werke aller Art. Nichts davon ist schlecht. Nur die Motivation ist wichtig! Und das Fleisch sucht darin Anerkennung, will Gott und Menschen beeindrucken, denkt, dass es dann mehr geliebt ist.

Das Fleisch stützt sich auf seine eigene Kraft, um Gottes Standards zu erfüllen und versagt daher beständig. (Kein Wunder, dass die Korinther schwach waren im Bereich Sünde.)

Der mehr bibelkundige Leser sollte hier aufmerken. Das Fleisch versucht aus eigener Kraft Gottes Standards zu erfüllen? Das hört sich doch nach Gesetz an! Bingo! Genau! Und deshalb streitet das Fleisch auch gegen den Geist! Denn Verlassen auf Selbst steht im direkten Gegenüber zum Verlassen auf Gottes Gnade. Genauso wenig wie Gnade und Gesetz zusammen gehen, so wenig gehen Geist und Fleisch zusammen. Deshalb sagt Paulus:

Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt. Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. -Römer 8, 9

Hast du Christi Geist? Ich nehme an. Sonst wärest du kein Christ. Paulus erklärt hier deutlich, dass du im Geist bist und nicht im Fleisch, wenn du ein Christ bist! Du bist nicht mehr unter Gesetz, sondern unter Gnade. Doch wenn du in die eigene Kraft gehst, also den alten Weg des Fleisches einschlägst, obwohl du neu bist, dann wirkt die Kraft des Gesetzes wieder an dir. Und, Überraschung, das Gesetz bewirkt Sünde. Ohne Gesetz ist die Sünde tot. Beleben wir das Gesetz durch ein fleischliches Christenleben, werden die Begierden der Sünde erregt und wir produzieren Werke des Fleisches.

Nochmal: Fleisch verlässt sich auf sich selbst.

Immer, wenn Äußeres der Hauptgrund unseres Handelns ist, wenn die sichtbare Realität, die Wahrnehmung unserer irdischen Sinne, sich über die Wahrheit Gottes stellen und wir danach handeln, dann handeln wir fleischlich, unreif, unmündig.

Die Fleischsorte „menschliches Denken durch irdische Wahrnehmung“ mag verführerisch aussehen, sich oft schön einfach anhören und auch ein scheinbares Gefühl für Identität geben. Aber es ist armselig, verlogen und kraftlos. Du bist nicht Christ, um es weiter selbst zu versuchen. Du bist Christ, weil du mit Christus gestorben bist und nun in Neuheit des Lebens ein komplett anderes Leben führst. Dieses Leben hat Christus als seine Identität, Seine Eigenschaften als die eigenen Eigenschaften, Seine Heiligkeit als die eigene Heiligkeit, Seine Liebe als die eigene Liebe. Christsein ist nicht „ich versuche es“. Das ist Fleisch. Christsein ist die totale Aufgabe an den Einen, der es für uns vollbracht hat. Das ist Glauben. Wir verlieren uns in IHM, um durch IHN gefunden zu werden.

 

Zusammenfassung

 

In all dem merken wir, wie wir ein riesengroßes, grundlegendes Thema der Bibel aufdecken. Es geht um die Lüge der Unabhängigkeit des Menschen von Gott vs. totaler Hingabe an Gott. Es geht um Fleisch vs Geist, Gesetz vs Gnade, tote Werke vs Glauben, Baum der Erkenntnis von Gut und Böse vs Baum des Lebens, Lüge vs Wahrheit, Kain vs Abel, Esau vs Jakob, Hagar vs Sara, Ishmael vs Isaak, Antichrist vs Christus, Tod vs Leben… Diese rote Schnur zieht sich deutlich durch die ganze Bibel und so viel mehr wäre noch zu sagen.
Und egal, ob Gott die Freiheit der totalen Abhängigkeit von IHM an Israel zeigt, die Mauern niederschrieen, Musiker an die Kriegsfront schickten, gegen eine Übermacht an Feinden trotzdem noch Leute aussortierten, obwohl der Kampf menschlich schon aussichtslos war und sie trotzdem siegten, weil Gott ihre Kämpfe kämpfte. Oder ob Gott Feiglinge beruft, die wie Petrus dann zu Felsen der Gemeinde werden, auf denen Gott Sein Reich baut… Wir sehen immer wieder dieselbe Botschaft: Verlass dich allein auf Gott!

Bei aller theologischer Tiefe, bei allem Forschen und allen Fragen bleibt es doch am Ende eine simple, kinderleicht zu verstehende Botschaft:

Vertraue auf Gott mit allem was du bist und hast!
Alles andere wäre eine ungenießbare Fleischsorte.

– Conrad Gille