Im Segen Leben – Leiterschaft richtig sehen

Im Segen Leben – Leiterschaft richtig sehen

Bevor wir zum Thema kommen hier noch eine wichtige, generelle Grundlage.

Man kann nur missbrauchen, was vorher brauchbar war. Das bedeutet, dass in allem missbrauchten ein Schatz verborgen liegt. Noch besser: Das, was missbraucht wurde, ist ein Schatz. Statt also vor Themen, welche missbraucht wurden, wegzulaufen, sollten wir genau hinsehen, was denn missbraucht wurde. Denn das ist gut und wertvoll.

Im Zusammenhang mit göttlichen Wahrheiten und Erkenntnissen hat der Teufel in diesem Zusammenhang leider oft zweimal gewonnen (natürlich nur temporär). Erst hat er zum Missbrauch verführt, dann hat er alle anderen aus Furcht vor dem missbrauchten Thema wegrennen lassen. Aus Angst vor Missbrauch.

Nun, Angst ist ein schlechter Leiter. Sie ist ein Irrleiter. Es ist Zeit im Glauben auf Themen zu schauen, welche missbraucht wurden, und den eigentlichen Wert dieser Schätze neu zu entdecken und richtig zu gebrauchen. Ohne Missbrauch.

Jeder weiß, dass zu viel Essen krank machen kann. Hören wir deshalb auf zu essen? Weil einige die Gnade missbrauchen, hören wir auf Gnade zu lehren und fangen an Gesetz zu predigen? Weil einige das Thema Geben für den eigenen Vorteil ausnutzen, hören wir auf über den Segen des Gebens zu sprechen? Weil einige Hilfe brauchenden Männer ihre Frauen schlagen, schaffen wir Männer ab? Weil einige Frauen ihre Männer betrügen, schaffen wir Frauen ab? Kann eine Lehre in der Schrift so überbetont oder verdreht werden, dass es eine Irrlehre wird? Klar. Aber gibt uns das das Recht, die jeweilige Lehre gar nicht mehr anzusprechen? Menschen wurden von Autoritätspersonen verletzt. Sollen deshalb Personen aufhören, Autorität zu haben?

Ich denke, der Punkt ist klar. Wir müssen aufhören bloß auf Fehler zu reagieren und stattdessen Wahrheit folgen.

Fassen wir aus Angst vor Täuschung bestimmte Themen nicht an, sind wir schon getäuscht.

Mit dieser Einleitung als Grundlage möchte ich mich einem Thema widmen, das wir unbedingt verstehen müssen, wenn wir ein fruchtbares, erfülltes und segensreiches Leben haben wollen. Es ist das Thema Leiterschaft und die persönliche Haltung und Einstellung ihr gegenüber.

 

Wie sollten Leiter sein?

 

Schauen wir uns mal an, wie denn ein Leiter so sein sollte, so weit man das pauschal sagen kann. Ich denke, man kann ein paar Grundeigenschaften in der Schrift finden, welche auf jeden Bereich von Leiterschaft passen.

Ein Leiter ist ein Diener. Er dient denen, denen er vorsteht. Er leitet, um andere freizusetzen. Er sucht das Beste für die, die er leitet. Er freut sich, wenn andere wachsen. Er freut sich sogar, wenn andere ihn überholen. Er leitet nicht, um jemand zu sein, sondern um zu helfen. Er sucht nicht eine Position oder Macht, sondern nutzt Position und Einfluss für Gutes. Leiter sollen ein Erbe hinterlassen.

Wir werden noch mehr darauf eingehen, aber lassen wir es hier mal dabei. Es ist ziemlich sicher, dass fast jeder dazu ja sagen und es auch als ein Ziel sehen würde, dass solche Leiter aufstehen. Wer will nicht so einen Leiter? Und richtig so! Zu oft besitzen Menschen Positionen der Macht, um sich darüber zu definieren, die eigene Minderwertigkeit zu überspielen und sich wertvoll zu fühlen. Solche Leute missbrauchen das Amt, was sie haben. Ein Leiter, der sich über seine Position definiert, ist gefährlich. Leiten bedeutet Einfluss. Einfluss bedeutet Autorität. Autorität bedeutet Verantwortung. Deshalb sind Charakterschule, Heilung von Verletzungen, Vergebung usw., sehr wichtige Komponenten, während wir in Leiterschaft wachsen. Dann lasst es uns mal eins festlegen: Leiterschaft ist etwas Gutes und Göttliches. Gott hat nie etwas ohne Leiterschaft gemacht und ER Selbst ist der größte Leiter, der uns zu grünen Auen und stillen Wassern leitet. Gute Leitung bedeutet Segen.

Viel ließe sich hierzu sagen, doch ich will den Fokus auf einen nicht so oft beleuchteten Bereich in dieser Thematik lenken: Unsere Haltung Leitung gegenüber. Von Leitern wird viel erwartet. Doch was ist mit denen, die geleitet werden (sollen)?

 

Haltung gegenüber Leiterschaft

 

Welche Haltung soll man Leiterschaft gegenüber haben? Hier sitzt bei vielen die Angst. Zu viele schlechte Erfahrungen, zu wenig dienende Leiter erlebt, zu viel Machtmissbrauch. Deshalb: Immer kritisch, nie vertrauend, immer hinterfragend, grundsätzlich auf „hab Acht“ Stellung. Dies ist sicher überzogen, allerdings gibt es diese Haltungen und wir merken sie oft gar nicht. Wir leben in einer Gesellschaft, die so aufgebaut ist. Vertraue niemandem. Doch eigentlich wollen wir genau das. Denn tief drin weiß jeder, dass Vertrauen heilend ist.

Ok, aber von vorne.

Gaben sind „Gnadengeschenke.“ Gaben und damit auch Ämter (Berufungen) sind nicht erarbeitet. Wir können in ihnen wachsen und reifen, aber sie bleiben Geschenke. Kostenlos. Der Heilige Geist teilt sie aus.

Jedem Einzelnen von uns aber ist die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi gegeben worden. Darum heißt es: “Hinaufgestiegen in die Höhe, hat er Gefangene gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben.” … Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi, Epheser 4, 7- 8 und 11- 12

Jesus gab den Menschen Gaben nach Seiner Gnade. Was für Gaben? Dienstgaben. Gaben, um zu dienen.

Das muss uns wirklich klar werden. Pastoren, Evangelisten, Apostel usw. (sicher dürfen wir hier auch alle anderen Leiterämter einfügen, wie Älteste, Bereichsleiter, und umfassender dann auch Formen der Leiterschaft in Politik, Wirtschaft usw.) sind Gottes Geschenke an Seine Gemeinde! Da wird unser Denken schon mächtig verändert, wenn wir diese Perspektive haben. Denn dann verstehen wir deutlich: Leiterschaft, wenn richtig verstanden und gelebt, ist ein Geschenk an mich, keine Bedrohung, Einengung oder Begrenzung.

Leiter haben Geschenke für dich und mich! Sie sind Kanäle des Segens Gottes für unser Leben.

An dieser Stelle muss uns auch klar werden, dass alles, was ein Leiter ist, er aus Gnade ist. Ein Geschenk ist genau das: Ein Segen ohne erbrachte Gegenleistung. Somit kann man sich eigentlich nichts darauf einbilden. Meine Identität liegt nicht in meiner Leitergabe, somit kann ich sie demütig anwenden. Angst spielt dabei keine Rolle mehr. Angst meine Position zu verlieren, Angst zu versagen, Angst dass jemand meinen Platz streitig macht, Angst dass jemand besser ist als ich, vergleichen… All das verschwindet! Und somit auch das Risiko des Missbrauchs von Leiterschaft.

Doch hier ist der springende Punkt: Wir applaudieren dem Konzept dienender Leiterschaft, die mich freisetzen und segnen soll, aber verweigern denselben Leuten Zugang in unserem Leben, aus Angst sie könnten uns verletzen.

Wenn Leiterschaft dich freisetzen soll, musst du in der Lage sein, genau dieser Leiterschaft zu dienen und dich ihr unterzuordnen.

Jetzt sind ein paar heikle Worte gefallen… Aber bleib dran, es wird gut!

 

Organisiert für Segen

 

Gott hat eine Ordnung. In Psalm 94 Vers 20 lesen wir „Sollte mit dir verbündet sein der Thron des Verderbens, der Unheil schafft gegen die Ordnung?“.

Ordnung ist kein böses Wort. In unserer Zeit, wo sich viele aus religiösen, verfahrenen und steifen Strukturen lösen, müssen wir darauf achten, nicht das Gute gleich mit wegzuwerfen. Gottes Ordnung ist – Gott sei Dank! – nicht wie menschliche Ordnung. Rick Joyner sagte mal „Schau dir an wie der Mensch einen Wald pflanzt und schau dir an wie Gott einen Wald pflanzt.“ Menschliche Ordnung ähnelt meist der eines Friedhofs. Gottes Ordnung ist bunt und voller Leben. Aber es gibt eine geistliche Ordnung und nur in ihr fließt der volle Segen.

Die Organe in unserem Körper sind angeordnet oder organisiert. Wären sie das nicht, würden sie nicht funktionieren. Wir sind der Leib Christi. Damit alles gut funktioniert, müssen wir uns vom Heiligen Geist anordnen, einordnen, organisieren lassen.

Dienen wir einander mit den Gnadengeschenken, wird der ganze Leib erbaut.

Angenommen du bist begeistert davon, was deine Leiterschaft in der Gemeinde trägt und in dir ist dieser Wunsch, dass sie dir helfen dich freizusetzen in der Fülle dessen zu gehen, was Gott für dich hat. Du möchtest also ein Erbe empfangen. Dann hab ich Neuigkeiten für dich. Es geht nur auf eine einzige Art und Weise. Du ehrst sie als Träger dieser Gnadengeschenke und lässt dich von Gott unter sie einordnen. Nur so empfängst du das Geschenk. Ehre bringt Erbe.

Hierarchie? Eigentlich nicht. Aber das klären wir etwas später.

Wenn wir an „Unterordnung“ denken, verbinden wir das meistens mit Unterwerfung. Ich gebe auf, der Andere ist stärker, ich unterwerfe mich. Damit ist gleichzeitig auch klar, dass der Andere wertvoller ist als ich.

Aber das ist keine göttliche Unterordnung und so funktioniert sie auch nicht. Göttliche Unterordnung erkennt den Platz, den Gott dem Anderen in meinem Leben eingeräumt hat, um mich zu segnen. Somit geht es um Vertrauen und der Haltung eines Lernenden.

Im Berufsleben ist das uns komischerweise so klar, wenn vielleicht auch unterbewusst. Wenn ich eine Ausbildung machen will, ein Seminar besuche, oder einfach nur in der Schule lerne: Mir ist klar, dass der Lehrer, Leiter, Ausbilder etwas kann und weiß, dass ich nicht kann oder weiß. Also höre ich zu (im besten Fall…). Automatisch empfange ich. Erkenne ich den Leiter nicht an, kann ich auch nichts (oder nur sehr wenig) lernen.

Es ist in der Gemeinde im Grunde dasselbe Prinzip! Gott hat uns Geschenke gegeben. Meine Bereitschaft mich einordnen zu lassen, entspricht meiner Fähigkeit diese Geschenke zu empfangen und die Salbung des Heiligen Geistes in meinem Leben wirksam werden zu lassen, um in meine eigene Berufung zu kommen. Anders ausgedrückt: Wie kannst du die Gaben empfangen, wenn du die Gabenträger nicht anerkennen (ehren) kannst?

Gott hat uns als Leib geschaffen. Wir brauchen einander. Du brauchst niemanden für dein persönliches Glück. Jesus ist genug. Sonst wäre Manipulation und Kontrolle vorprogrammiert. Aber um deine Bestimmung auf Erden zu erfüllen, brauchst du den Leib Christi, brauchst du von Gott gesetzte Leiter.

Unterordnung nimmt also niemandem die Ehre weg, degradiert ihn oder offenbart Schwäche. Das Gegenteil ist der Fall! Es offenbart Demut und ist ein Trittbrett in mehr vom Segen Gottes! Unterordnung hat auch nichts mit Kadavergehorsam zu tun. Es geht auch nicht darum nichts zu hinterfragen, denn „dein Leiter hat immer Recht“. Nein. Deine Leiter machen Fehler. So ist das. Sie haben auch nicht immer Recht. Du darfst, ja sollst sogar immer noch selber mitdenken!
Das ganze Konzept ist so verdreht worden und so übersät mit Verletzungen, dass wir oft auf bestimmte Worte wie verletzte Hunde reagieren. Dabei haben wir gar nicht gemerkt, wie wir auf der anderen Seite vom Pferd gefallen sind.

Unterordnung im Zusammenhang mit Leiterschaft heißt für uns oft „mundtot“, „Kritikverbot“, „nicht erlaubt zu denken“, „jemandem bedingungslos in allem folgen“ usw. Nein, das ist es nicht!

Noch mal: Unterordnung ist das demütige Anerkennen von Gott gesetzten Gaben (Ämtern, Geschenken), damit sie in meinem Leben wirksam werden. Damit ordnen wir uns auch einander unter! Man ordnet sich im Herzen unter, nicht im Wert.

 

Segen fließt von oben

 

Ebenso ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter! Alle aber umkleidet euch mit Demut im Umgang miteinander! Denn “Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade“. 1. Petrus 5, 5- 6

Der Zusammenhang erklärt den Fluss der Gnade: Einordnung unter Leiterschaft (hier Jüngere den Ältesten) lässt Gnade fließen. Ja, Demut generell setzt Gnade (als befähigende Kraft) frei, aber Demut zeigt sich eben auch in dem Anerkennen der Gabenträger. Ehre empfängt.

Siehe, wie gut und wie lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen. Wie das köstliche Öl auf dem Haupt, das herabfließt auf den Bart, auf den Bart Aarons, der herabfließt auf den Halssaum seiner Kleider. Wie der Tau des Hermon, der herabfließt auf die Berge Zions. Denn dorthin hat der HERR den Segen befohlen, Leben bis in Ewigkeit. Psalm 133

Das Öl, die Salbung, der Segen, fließt vom Haupt nach unten. Die Zirkulation im Leib funktioniert, wenn alle Teile und Organe in gegenseitiger Anerkennung und demütiger Wertschätzung zueinander stehen und ausgerichtet auf das Haupt, Christus, sind.

Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, wird eines Propheten Lohn empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, wird eines Gerechten Lohn empfangen. Und wenn jemand einem dieser Geringen nur einen Becher kalten Wassers zu trinken gibt in eines Jüngers Namen, wahrlich, ich sage euch, er wird seinen Lohn gewiss nicht verlieren. Matthäus 10, 41- 42

Mit dieser Stelle wurden schon viele Geldsammlungen für „Propheten“ gemacht. Doch Geld ist hier nicht das vorrangige Thema, sondern Ehre und die Art Einordnung, von der wir hier sprechen. Wenn ein Prophet kommt und ich ihn nicht als Prophet anerkenne, kann ich die Gabe des Propheten nicht empfangen. Sei es, dass ich selbst prophetisch diene, oder aber die prophetische Ermutigung durch den Propheten zu mir kann nicht durchbrechen. Meine Ehre jemandem gegenüber öffnet mich von genau dort zu empfangen.

Wir hatten mal einen Propheten bei uns als Gastredner. Unser Mann für die Finanzen, Stephan, mochte die Art nicht. Doch unverkennbar merkte er, dass Gott diesen Mann gesalbt hat. Also dachte er sich, er gibt ein größeres Opfer, in den Dienst dieses Mannes, obwohl er den Stil nicht mochte. Er säte gegen seinen Anstoß im Äußerlichen (im Fleisch) und ehrte die göttliche Gabe und den von Gott dafür erwählten Gabenträger (das geht auch mit Finanzen. Honorar kommt von „honour“, ehren. Ist aber wie erwähnt nicht das Hauptthema). Kurz darauf brachen in seinem Leben prophetische Eindrücke durch für andere, wie er es nie zuvor erlebt hatte. Hat er das etwa erkauft? Nein! Man kann Geschenke nicht kaufen. Aber man kann sich demütig positionieren, und Gnade kommt und befähigt mich!

Jetzt verstehen wir auch, warum manche sich schwer tun von Gott Gutes zu empfangen. Wir haben ein verdrehtes Bild von einem Vater im Himmel, der eigentlich schon irgendwie gut ist, aber man muss auch gleichzeitig aufpassen, dass ER in einem schlechten Moment nicht mal die Beherrschung verliert. Oder wir denken unterbewusst, dass Gott es ja letztlich doch nicht wirklich gut meint mit uns und eigentlich nur auf einen Fehler von uns wartet, um uns zu strafen. Wenn wir IHN so sehen, fällt es schwer von IHM Gutes zu empfangen. Ehre IHN als guten Gott, denn Gott ist gut! Und Güte wird dein Leben mehr füllen als zuvor.

Jesus Selbst veranschaulicht dieses Prinzip ziemlich klar. Er kam in Seine Heimatstadt Nazareth und konnte dort nur einige wenige Wunderwerke tun, „wegen ihres Unglaubens“. Woher kam dieser gemeinschaftliche Unglaube? Es lag an der Herzenshaltung Jesus gegenüber. Sie sahen IHN als Zimmermann, nicht als Heiler (oder Erlöser). Sie ärgerten sich an IHM. Sie konnten IHN nicht für das ehren, was ER war. So konnten sie nicht empfangen. Sogar Jesus Christus Selbst wurde durch eine falsche Sicht über IHN in Seinem Wirken begrenzt. Gruselig.

Wenn du nicht in der Lage bist dem zu dienen, was Gott durch deine Leiter in deine Gemeindefamilie trägt, wie willst du es weiter tragen? Wie willst du das Erbe empfangen und weiter rennen als sie? Wie sollen sie dich freisetzen? Die Haltung deines Herzens entscheidet es.

Ein Wort an uns wilde Weltverbesserer, Reformer und Revolutionäre: Versuch nicht deine Gemeinde zu verändern, ohne eine dienende Haltung deinen Leitern gegenüber zu haben. Unterordnung heißt nicht Übereinstimmung in allem. Aber man glaubt an die Personen und deren Vision als von Gott gegeben. Wenn du deinen Leitern nicht dienen kannst und immer alles verändern willst, dann solltest du Gott fragen, ob es überhaupt dein Platz ist.
Oder aber eher Gott fragen, ob du Demut und Dienerschaft vielleicht gerade hier lernen sollst. Das Zweite könnte wahrscheinlicher sein. Gott hat eine Ordnung und da fließt der Segen. Wenn deine Leiter dein Herz ihnen gegenüber spüren, dann ist Veränderung auch tatsächlich möglich, ohne dass es die Gemeinschaft zerreißt. Und oft ist die Veränderung dann bei uns am Größten…

Natürlich dürfen Leiter diese Einordnung nie einfordern. Sie erfolgt freiwillig und weil man den Segen und den Sinn dahinter erkennt. Nicht einmal Jesus Christus erzwang oder forderte Unterordnung. Allerdings zeigte ER uns die Konsequenzen oder Frucht auf, die sowohl aus Unterordnung (Vertrauen) oder Ablehnung (Rebellion) IHM gegenüber kommen. Jesus fordert also nicht, ohne dabei Wischiwaschi oder unklar zu sein. Keine Leiter im Leben zu erlauben beraubt uns und wir verfehlen wahrscheinlich unsere Bestimmung auf Erden, auch wenn wir es sicher in den Himmel schaffen würden.

Was ein Leiter also darf, ist auf eine demütige, dienende Herzenshaltung zu warten, bevor er jemanden einsetzt. Denn wenn man es nicht tut läuft man Gefahr „Rebellen“ Positionen mit Einfluss zu geben. Dies wäre für niemanden der Beteiligten dienlich. Somit ist es sogar die Verantwortung eines Leiters, auf eine dienende und eingeordnete Haltung derer zu warten, die als Kandidaten für Leiterschaft zur Verfügung stehen würden. Viele machen das nicht und machen sich schuldig.
Wenn wir als Leiter Mangeldenken haben, werden wir versucht sein Lücken zu füllen. Ich würde sagen: Mut zur Lücke! Dann ist das Lobpreisteam eben nicht vollständig oder es fehlt eben ein Büchertisch in der Gemeinde oder was auch immer. Gott reicht. Lieber Gottes Gegenwart und Ordnung, als Menschen zur falschen Zeit am richtigen Ort. Verstehen wir das? Lieber einen nicht ganz so guten Musiker, der sich von Gott einordnen lässt und somit Demut zeigt, als einen Profi mit stolzem und rebellischem Herzen. Den Profi wegen seinem Können einzusetzen, hilft ihm nicht. Man würde unterbewusst bestätigen, dass seine Haltung und Charakter nicht so wichtig sind wie die Gabe. Doch das schadet letztendlich allen. Der Traum wären in dem Fall professionelle Musiker mit demütigen Herzen.

Die Hände lege niemand schnell auf, und habe nicht teil an fremden Sünden! Bewahre dich selbst rein! 1. Timotheus 5, 22

Manche missverstehen den Vers und meinen, dass anderen die Hand auflegen zum Gebet gefährlich sein kann, weil man sonst Teil an ihren Sünden hat. Doch darum geht es hier überhaupt nicht. Die Verse davor sprechen von dem Einsetzen von Ältesten. Leiter wurden durch Handauflegung eingesetzt oder bestätigt. Timotheus sollte darauf achten, dass niemand zu schnell in verantwortliche Ämter kommt, ohne vorher schon Prüfphasen ohne offizielle Verantwortung (Dienerschaft) durchlaufen zu haben. Wird jemand mit massiven Problemen eingesetzt und fängt an diese Probleme durch seinen Dienst und Einfluss auszubreiten, hat man eine Mit-Verantwortung, da man diese Person vor Gott bestätigt hat.

Klar, das soll keinen Perfektionismus aufkommen lassen oder den Gedanken, dass wir alle fehlerlos sein müssen, bevor wir was tun dürfen. Dann hätten wir es falsch verstanden. Die Person, die sich einordnen lässt, lässt sich auch notfalls korrigieren oder einfach ins Leben sprechen. Somit sind ihre Macken und Baustellen gar kein Problem. Gott nutzt es zum Guten. Wer sich nicht einordnen lässt, lässt auch nicht mit sich reden, verträgt kein Feedback, weiß meistens alles besser und ist schnell verletzt, beleidigt oder wütend.

Gott sucht also nach einer Haltung, nach demütigen Herzen, nicht nach Perfektion. Perfektionismus ist vom Teufel, Exzellenz ist von Gott.

 

Ist das etwa Hierarchie?

 

Wenn man so etwas hört, werden Viele direkt an ein starres hierarchisches System denken. Einer oben, der nach unten herrscht.

Ja, einer ist oben. Jesus Christus. ER ist der König.

Und durch den Heiligen Geist setzt ER ein, damit Er Selbst durch Seinem Leib sichtbar wird.

Und richtig, es ist keine Demokratie. Gott ist ein König.

Der Tisch der Familie der Gemeinde Gottes ist auch nicht rund, sondern eckig. Es gibt Väter und Mütter an den Kopfenden und sie haben mehr Autorität (Einfluss, Verantwortung) als andere an demselben Tisch. Und doch ist etwas entscheidend anders, als im klassischen hierarchischen Leitungsstil einer Firma.

Es ist die funktionale Leiterschaft vs. positionale Leiterschaft. Wir ordnen einander in unseren göttlichen Funktionen, nicht zuerst in Positionen unter.

Alle sind also auf Augenhöhe. Keiner ist mehr wert als der Andere und alle sind gleich wichtig. Die Schrift sagt sogar, dass den geringeren Gliedern eine größere Ehre zugeteilt wird. Es gibt also kein nach unten treten oder nach oben kriechen. Gott erhöht die Demütigen (Eingeordneten) zur rechten Zeit. Man ehrt sich gegenseitig, auch in den Unterschieden der Begabungen. Und so empfängt man voneinander, man ordnet sich gegenseitig unter.

Je mehr Verantwortung (Einfluss) ein Leiter hat („je höher er steht“), umso mehr muss er damit dienen. Wem viel gegeben ist, von dem wird viel verlangt. Leiter sind Diener. Ein Apostel gibt ein Fundament. Er legt sich im Grunde nieder, damit andere weiter gehen können. Doch wird das nie funktionieren, wenn die anderen ihn nicht als Apostel anerkennen. Ich denke wir verstehen das Prinzip jetzt.

In funktionaler Leiterschaft bekommt jemand erst dann eine offizielle Position, wenn er die Position schon zu einem gewissen Grad lebt. Denn dann lebt er die Position (es bleibt funktional) und es ist keine Hülse, die nun ausgefüllt werden muss.

Ein Leiter muss seine Autorität dienend einsetzen und soll damit auch leiten. Viele fürchten sich zu leiten, oft auch gerade wegen Worten wie „Hierarchie“ und aus den Gründen des Missbrauchs und der Kontroversen, die sich um dieses Thema ranken. Aber wir müssen leiten! Wenn Gott dich gesetzt hat und Gnade drauf ist, dann leite. So wichtig wie wir Einordnung und Unterordnung lernen müssen, so sehr müssen Leiter lernen sich für ihre Gnadengeschenke nicht zu schämen. Wenn das dienende Herz und Liebe zu den Menschen da ist, ist es ein großer Segen, der allen dienlich ist!

Leiter leiten. Und die Entscheidungen werden nicht immer verstanden. Müssen sie auch nicht! Auch wenn Leiterschaft natürlich versuchen sollte verständlich zu sein, ist sie ja trotzdem von Gott gesetzt und sieht deshalb Dinge, die andere noch nicht sehen und versteht Dinge, die andere noch nicht verstehen. Deshalb sind sie ja Leiter! Was für einen Sinn würde es machen, wenn ich es immer besser weiß als meine Leiter? Dann wären Leiter unnütz.

Die Gemeinde ist aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten (siehe Epheser 2, 20). Die Hierarchie besteht im Grunde deshalb anders rum. Von unten nach oben. Und sie besteht in der Funktion und Gnade, die Gott einzelnen zugedacht hat. Und nur durch Demut fließen diese Gnadengaben von einem zum anderen.

 

Familie

 

Sehr wichtig zu erwähnen und wert ganze Bücher darüber zu schreiben, wäre noch der Gedanke, dass Gottes Regierung Familie ist. Eine irdische Familie kann uns ein paar unvollkommene Tipps auf Gottes Regierung geben. Noch besser: Die Familie auf Erden soll ein Schatten auf die himmlische Realität sein.

Im Bestfall lieben sich in einer Familie alle. Alle sind gleichwertig. Doch Mama und Papa entscheiden. Sie haben die Verantwortung. Dürfen die Kinder nicht mitentscheiden? Doch, na klar. Und je älter und reifer sie werden, umso mehr Mitspracherecht haben sie wahrscheinlich. Doch entscheidet ein Kleinkind mit? Eher weniger. Würde man ein Kleinkind über die Finanzen der Familie setzen? Schlechte Idee! Und zwar für jeden Beteiligten.

Ich will an dieser Stelle nicht tiefer gehen. Mein Punkt ist der: Leiter sind Eltern. Das ist die Berufung eines Leiters und löst die Hierarchie- oder nicht Hierarchie -Frage auf. Gesunde Eltern wollen immer das Beste für ihre Kinder. Die Kinder, die solchen Eltern gehorchen, sind gesegnet.

Gottes Regierung ist Familie!

 

Was ist nicht die Verantwortung deiner Leiter

 

Manchmal gibt es Leute, die gerne von der Leiterschaft nehmen wollen. Sie wollen Rat, Unterstützung, Hilfe… Sie fordern. Sie denken, dass das ja die Verantwortung der Leiter ist. Allerdings geben sie den Leitern keine Autorität, wirklich etwas in ihrem Leben zu ändern. Das heißt sie nehmen, was ihnen passt. Im Herzen sind sie stolz. Sie nehmen Hilfe an, die sie brauchen können, wenn sie aber aufgefordert werden bestimmte Dinge anzugehen und zu ändern, machen sie nicht mehr mit. Sie machen, was sie wollen und ihnen zu helfen geht nur zu ihren Bedingungen.

Das ist so ähnlich wie Kind sein wollen ohne Eltern. Es geht nicht!

Man muss es mal so klar sagen: Man hilft so jemandem nicht, wenn man das Spiel immer weiter mit macht.

Hilf nie jemandem mehr, als er selber Hilfe will. In dem Moment, wo jemand von dir Hilfe will, sollte er die Hilfe zu deinen Bedingungen annehmen. Schließlich willst du ja nicht die Hilfe, sondern sollst sie geben. Wenn wir im Gefängnis mit Leuten über Jesus reden, dann sagen wir immer ganz klar, dass wir nur zu unseren Konditionen helfen können. Wenn sie das nicht annehmen wollen ist das voll ok. Aber dann können sie auch keine von uns erwarten.

Leiter sind nicht dafür zuständig, deine Steine aus dem Weg zu räumen. Kein Leiter auf dieser Erde, noch nicht mal Jesus Christus Selbst, ist dafür verantwortlich, dass dein Leben in Ordnung kommt.

Uh? Was?

Ja, gehen wir noch einen Schritt weiter. Kein Leiter, nicht dein Papa, nicht deine Mama, noch nicht mal Jesus Christus Selbst, ist für dein Glück verantwortlich. Es ist nicht die Aufgabe deiner Leiter, dich glücklich zu machen.

Im Grunde sollte das uns entspannen. Denn das zu erkennen schafft eine gesunde Grenze. Erkennen wir das? Wir sprachen am Anfang von der Angst vor Missbrauch. Wir wollen keine fremdgesteuerten Wesen sein, die irgendeinem Sektenführer hinterher rennen. Doch gleichzeitig gibt es oft den, vielleicht auch unterbewussten, Anspruch, dass meine Leiter, die ja Verantwortung für mich haben, mein Leben in Ordnung bringen sollen. Wenn wir so denken, dann ist das die Grundlage für einen Sektenführer. Warum? Weil du die Verantwortung über dein Leben aus der Hand gegeben hast.

Nur du kannst dich für dein Glück entscheiden.

Nur du kannst entscheiden, dass die Steine in deinem Leben weg sollen.

Und wenn diese Entscheidung getroffen ist, dann wird dir Jesus helfen und dein Glück sein. Und hoffentlich wird auch Leiterschaft für dich da sein und dir so gut ihnen möglich ist helfen, dein Leben in Ordnung zu bekommen. Jemandem, der eingeordnet ist, kann man helfen.

Wenn du kein Leiter bist, bist du immer noch auf Augenhöhe mit Leitern, was die Eigenverantwortung in deinem Leben angeht. Wenn du die abgibst, wird es wirklich manipulativ. Das könnte dann tatsächlich zu Missbrauch führen. Doch solange dir klar ist, dass du allein die Verantwortung für dein Leben hast (Gott hat alles schon bereit gelegt. Die Entscheidung liegt bei dir.), kann dir eigentlich nichts passieren. Du hast die Macht!

Lieber Leiter, bitte wisse, dass du nicht verantwortlich für das Glück anderer bist. Du bist noch nicht einmal verantwortlich dafür, dass ihr Leben in Ordnung kommt. Ja, du hilfst dabei. Du versuchst, sie zum Glück und einem erfüllten Leben zu führen. Aber wenn sie sich anders entscheiden, dann haben sie das in ihrer eigenen Verantwortung getan. Wir sind alle Menschen mit Macht, da wir Entscheidungen für unser Leben treffen können. Gute und Schlechte.

 

Zusammenfassung

 

Die Fülle Gottes kommt nur durch Seine Ordnung. In Seiner Ordnung ist Segen. Der Heilige Geist muss den Leib so anordnen, dass er funktioniert. Und nur demütige Herzen können die Gnade empfangen, die Gott durch Seine Gefäße frei setzt.

Leiterschaft ist wichtig. Leiterschaft kann nur dann richtig wirksam werden, wenn sie als solche auch anerkannt wird.

Die Seite der Leiter und die Seite der Geleiteten sind beides Seiten derselben Medaille. Nur im Zusammenspiel wird der Sieg sichtbar.

Mögen göttliche Leiter in unserem Land aufstehen und möge unser Land die Demut haben, sie zu empfangen!

– Conrad Gille

 

Hier findest du die dazugehörige Audio-Botschaft zum kostenfreien Download.