Was bitte ist denn eigentlich „im Geist wandeln“?

Was bitte ist denn eigentlich „im Geist wandeln“?

Im Geist wandeln. Für uns Christen eine Aufforderung, die wir im Neuen Testament immer wieder lesen. Oft verbunden mit der Verheißung von einem Leben der Freiheit.

Aber, was ist das eigentlich? Es hört sich ja doch eher mystisch an. Für einen deutschen Christen eher schwer zu greifen. Wir wollen was praktisches, etwas, das man anwenden und irgendwie „machen“ kann. Und so fällt dieses Thema entweder dann doch unter den Tisch, oder aber wird den „Komischen“, den „Extremen“ oder eher „Abgedrehten“ zugeschrieben. Schließlich macht vielen von uns alleine das Wort „Geist“ schon zu schaffen. Zu abstrakt!

damit die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt wird in uns, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln.
Römer 8, 4

Ich sage aber: Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen. Galater 5, 16

Wenn wir durch den Geist leben, so lasst uns durch den Geist wandeln! Galater 5, 25

Denn die Gesinnung des Fleisches ist Tod, die Gesinnung des Geistes aber Leben und Frieden, Römer 8, 6

Alleine diese kleine Auswahl an Bibeltext macht uns dann aber doch recht schnell klar, dass wir es mit einem fundamentalen Thema zu tun haben. Quasi Leben oder Tod! Der Wandel im Geist ist der Garant für Sieg über Sünde, Tod und Teufel. Wir sprechen also weder von etwas abgedrehtem, noch von etwas außergewöhnlichem. Wir sprechen von einer Grundlage neutestamentlicher Wahrheit! Ohne das geht’s nicht!
Aber was ist es denn jetzt? Es ist eigentlich recht simpel, auch wenn die Auswirkungen weit und tief sind.

 

Die einfache Wahrheit

 

Gott ist Geist. Weiter wissen wir, dass jeder, der sein Leben vertrauensvoll ganz in Jesu Hände gegeben hat, „aus Gott geboren“ ist (siehe z.B. Johannes 1, 13).

Geist ist Realität. Aber – und hier stößt sich eben der menschliche Intellekt – liegt nicht im Bereich des Sichtbaren. Geist ist erstmal unsichtbar. Gott ist Geist, aber wir können IHN nicht mit unseren menschlichen Augen sehen. Wir glauben an Ihn.

Und hier ist der Punkt. Geistliche Realität kann man erstmal nur im Glauben annehmen. Anders ausgedrückt, wenn Gott etwas als wahr erklärt, dann ist es das. Auch wenn ich es nicht sehe.

Im Geist wandeln ist also im Glauben wandeln.

Wenn Gott sagt, ich bin heilig, dann bin ich das.
Wenn Gott sagt, mir ist vergeben, dann ist das so.
Wenn Gott sagt, es gibt keine Verdammnis mehr, dann ist das so.
Wenn Gott sagt, ich bin gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt, dann bin ich das.
Wenn Gott sagt, ich bin in Ihm zur Fülle gebracht, dann bin ich das.
Wenn Gott sagt, dass mir nichts mangelt, dann ist das so.

Im Geist wandeln heißt demütig zu glauben, was Gott als Wahrheit erklärt hat.

 

Frucht

 

Da geistliche Realität Wahrheit (oder Wirklichkeit) ist, führt sie immer in Freiheit.

„Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen.“Wandelt in dem, was Gott als wahr erklärt hat, und diese Wahrheit bringt als Frucht Freiheit.

Wenn ich im Vertrauen auf Gottes Wahrheiten dieselben zu meiner Wirklichkeit erkläre, säe ich auf Geist. Und die Frucht dieser Saat? Genau, die geistliche Realität wird in meinem äußeren Menschen (Seele, Körper) sichtbar. Die Saat geht auf und bringt Frucht. Die „Frucht des Geistes“ (Galater 5, 22-23) wird sichtbar. Nicht aus eigenen Werken, Selbstanstrengung, Selbstverbesserung oder sonstiger religiöser Anstrengung, sondern allein durch meinen Wandel im Geist, der nichts mit meinen Werken zu tun hat. Ich sehe mit Augen des Glaubens, was bereits ist und nehme es demütig als Realität an. Frucht ist ein Resultat.

 

Das Gegenteil

 

Noch klarer wird es, wenn wir uns jetzt mal schnell das Gegenteil anschauen, den Wandel im Fleisch.

Konsequent, wenn im Geist wandeln bedeutet, dass ich unsichtbare Realitäten als höhere Wirklichkeit als das Sichtbare einstufe, bedeutet im Fleisch wandeln sichtbare Realitäten als höchste Wirklichkeit einzustufen.

Das, was ich mit meinem äußeren Menschen durch meine 5 natürlichen Sinne wahrnehme, ist meine höchste Realität. Das ist im Fleisch wandeln.

So jemand ist abhängig von Umständen, weil die Umstände seine Realität sind. Freude ist abhängig davon, ob das Konto stimmt, sich die Kinder richtig benehmen oder alle nett zu mir sind… Es ist die Logik der Welt. Entscheidungen werden anhand der Umstände getroffen, nicht anhand dessen, was Gott sagt. Letztendlich wird mit Gott gar nicht gerechnet. Paulus nennt solche Leute schwach und unmündig. Sie sind keine Überwinder. Obwohl sie mündige Söhne und Töchter Gottes sein könnten, leben sie immer noch das Leben eines Waisen, sind Opfer der Umstände und Sklaven ihrer Sinne.

Wenn man nicht mit Gott rechnet, versucht man alles selbst. Dies erklärt dann wie von alleine, warum man keinen Sieg über Sünde hat und die „Werke des Fleisches“ (Galater 5, 19-21) zu finden sind. Denn Selbermachen ist Gesetz und Gesetz befähigt Sünde (siehe z.B. Römer 5, 20). Die gute Nachricht: Man muss nicht dort bleiben! Ein Perspektivwechsel in meiner Sicht über mich und Gott ändert alles!

Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.  Römer 6, 14

Welch herrliche Wahrheit der befreienden, befähigenden Gnadenkraft Gottes!

Im Geist wandeln ist also sowohl im Glauben wandeln als auch in der Gnade wandeln. Im Grunde könnte man die Begriffe austauschen. Wir sind im Neuen Bund der Gnade. Nur durch Glauben ergreifen wir es. Denn die Wirklichkeit, welche höher ist als alles wahrnehmbare der sichtbaren Welt um uns rum, liegt im Geist.

 

Praktisch

 

Praktisch kann ich dir Folgendes anbieten:

Zuerst einmal musst du lernen, was die Schrift denn als Wahrheit über deinem Leben sagt.
Dann, im Gebet mit deinem Papa im Himmel, dankst du Gott für diese Wirklichkeit. Du dankst, dass es deine Wirklichkeit ist. Du preist Ihn, dass Er vertrauenswürdig ist und nimmst demütig an, was Er sagt.

„Danke Papa, dass ich kein Sünder mehr bin! Du hast mich am Kreuz befreit. Du wohnst in mir. Wir sind eins gemacht. Du hast mich heilig und gerecht in Christus vor dich gestellt und ich bin erlöst! Danke!! Es gibt nun keine Verdammnis mehr für mich! Du hast es vollbracht und ich bin aus dir geboren. Deine Liebe ist ausgegossen in mein Herz und ich kann lieben wie du durch deine große Gnade! Ich bin kein Sklave der Sünde mehr. Du hast mich befreit und ich nehme diese Gnade demütig im Glauben ab. Meinen Körper stelle ich der Gerechtigkeit zur Verfügung und herrsche durch den Überfluss der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit. Danke! Danke! Danke! Du bist wunderbar! Alles kommt von dir! Du bist meine Befähigung und ich lebe in deiner Kraft, nicht in meiner eigenen. Du bist mein Leben, Jesus! Du bist so gut, Papa!…“

Oder:

„Papa, im Natürlichen fehlen mir Finanzen für die Rechnungen, die ich bekommen habe. Aber du hast gesagt, dass ich in Dir keinen Mangel habe und du mein Versorger bist. Ich vertraue dir. Ich gebe dir das ab und werfe alle Sorgen auf dich! Danke, dass du dich um mich kümmerst! Danke, dass du nicht abhängig von diesem Weltsystem bist und ich auch nicht, denn ich bin dein Kind. Ich danke dir für alles, was ich habe! Du bist so gut zu mir. Ich schaue auf das, was ich habe, nicht auf das, was ich nicht habe. In deiner Gnade vermag ich alles durch dich, der mich mächtig macht. Egal ob ich viel oder wenig habe, du bist mein Glück, meine Freude und meine Kraft. Dir gilt mein Dank und meine Anbetung!…“

Das z.B. sind Gebete des Glaubens und des Geistes. Sie bekennen die geistliche Realität. Und weißt du, wann es noch mehr Kraft hat? Mitten in Versuchung! Mitten in äußerlichem Mangel! Mitten in gegensätzlichen Gedanken (Lügen). Wenn du dich fühlst wie ein Sünder. Wenn dreckige Gedanken deinen Kopf einnehmen wollen. Wenn du nach zu wenig Schlaf morgens aufstehst und dich gar nicht fühlst wie ein Christ…, wenn die unerwarteten Rechnungen kommen. Wenn Krankheit deinen Körper oder deine Familie angreifen. Wenn Menschen gegen dich sind oder du ungerecht behandelt wirst… DANN hast du die Chance, entweder durch das zu leben, was du fühlst und siehst, oder aber auf die geistliche Wirklichkeit zu schauen. Der Unterscheid ist Niederlage oder Sieg! Der Unterscheid ist Fleisch oder Geist. Der Unterschied ist Tod oder Leben.

Mit der Zeit wird dein Denken erneuert und deine Emotionen leben die Wahrheit. Ein herrliches Leben! Ein Leben frei von religiösem Krampf. Ein Leben der Gnade. Ein Leben im Geist. Der äußere Druck der Welt kann dir bald nichts mehr anhaben. Du lebst von einer anderen Realität. Statt von der Erde zum Himmel lebst du vom Himmel zur Erde. Du lebst im Geist, deinem wahren zuhause.

 

– Dein Conrad Gille