Ein Ansatz für Einheit untereinander

Ein Ansatz für Einheit untereinander

von Conrad Max Gille

Oh ja, was für ein Thema… Ich hatte vor nicht all zu langer Zeit den Eindruck, dass Gott mir zuflüstert, dass der Leib Christi dabei ist in eine nie gekannte Herzenseinheit zu kommen. Es dauerte nicht lange – besonders wenn man sowas auf Facebook postet – da wurde der Glauben an diese Aussage ordentlich geprüft…

Die Einheit unter Christen ist ein heißes Thema. Das sollte uns nicht verwundern, denn an dieser Einheit hängt eine gewaltige Verheißung:

… damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. – Jesus in Johannes 17, 21

Das ist ein dickes Ding! Kein Wunder, dass der Feind alles versucht, um das abzuwenden. Mit Kontroversen, Spaltungen, Unverständnis, Missverständnissen, Abgrenzungen, Lügen und allen möglichen Tricks treibt er die Christen auseinander. Und wenn sie sich doch irgendwie zusammen finden? Dann ist es natürlich der Anfang der „eine Welt Regierung“ des Antichristen. Vergebt mir meine Ironie hier.

Aber es ist doch schon manchmal zum Verzweifeln. Die eine Gruppe hetzt gegen die andere. Die eine Gemeinde will nichts mit der anderen Gemeinde zu tun haben. Der eine Prediger distanziert sich öffentlich (mit Vorliebe auch auf sozialen Netzwerken) von dem anderen Prediger. Eine neue Bewegung betitelt andere als Irrlehrer. Etablierte Bewegungen stellen klar, wogegen sie alles sind und warum die neue Bewegung falsch ist. Und auf Facebook und Co? Ja da sind ja eh alle Experten und wissen immer, wer alles ein Irrlehrer ist und wer nicht…

Klar, jeder Einzelne hat immer als Einziger den Durchblick und seine Gründe, warum er es macht. Es wird natürlich auch immer die Wahrheit verteidigt. Jeder verteidigt nur die Wahrheit. Oder sollte ich sagen: Das eigene Verständnis der Wahrheit? Schon wieder diese Ironie. Wird wohl noch öfter hier vorkommen. Ich brauche von Dir, lieber Leser, jetzt schon einen Vergebungsvorschuss. 😉

Das Problem ist, dass es in der Bibel tatsächlich Warnungen gibt. Warnungen vor falschen Propheten, falschen Aposteln, falschen Brüdern, ungesunder Lehre, falschen Evangelien… Doch gibt es dazu auch wieder verschiedene Auslegungen, wie diese Warnungen gemeint sind, oder an wen sie denn tatsächlich gerichtet sind.

Hmm… das hört sich hoffnungslos an. Also hat jeder seine eigene Auslegung und wenn sie nicht passt mit der der anderen, spalte ich mich ab? Auch wenn das stark vereinfacht ist, passiert es vielerorts genau so. Was das Ganze noch schwieriger macht ist, dass die Meisten es mit einem gutmeinenden Herzen machen! Sie trennen sich, distanzieren sich, grenzen ab und aus, usw, weil sie „schützen“ wollen. Wobei man noch fragen könnte, was denn eigentlich beschützt wird? Wirklich die Menschen, oder meine Meinung/Ansicht? Wie dem auch sei, ich glaube, dass es noch eine andere Perspektive gibt! Und ja, es muss! Denn Jesus betete dieses Gebet in Johannes 17, 20- 21:

Aber nicht für diese allein bitte ich, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben, damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.

Und dreimal darfst du raten: Das Gebet des Sohnes Gottes an den Vater wurde erhört! Also wird und muss Einheit sichtbar werden! Einheit auf Gottes Art.

Das Problem

Wir haben das Problem eigentlich schon ausfindig gemacht. Das Problem ist die Lehre. Oder lass es mich besser ausdrücken: die Lehrmeinung. Es scheint, als ob unterschiedliche Lehrmeinungen zu Trennungen führen. Ich denke das und du denkst dies und wenn wir nicht das gleiche denken, trennen sich unsere Wege. Wobei „Wege trennen“ gar nicht mal grundsätzlich negativ zu sehen ist. Man sollte vielleicht besser ausdrücken: „trennen sich unsere Herzen“.

Das ist der Grund? Ja, aber das ist jetzt kompliziert, denn wie verhindert man denn unterschiedliche Lehrmeinungen?

Ich denke, dass wäre wieder der falsche Ansatz. Man kann sie nicht verhindern. Und ich würde hier noch einen Schritt weiter gehen: Gott wollte es so. Glaubst du nicht? Meinst du nicht, Er hätte Sein Buch etwas deutlicher schreiben können? Mit weniger verschiedenen Möglichkeiten, Aussagen zu verstehen? Aber da gibt es doch tatsächlich einigen Freiraum, ja sogar unterschiedliche Auslegungsmöglichkeiten zu denselben Passagen und sie sind dennoch oft trotzdem alle richtig. Es ist halt kein normales Buch… Doch im Grunde nähern wir uns jetzt schon der Möglichkeit echter, göttlicher Einheit, die möglich ist, WEIL nicht alles ganz deutlich ist und gerade WEIL es möglich ist, bei gleichen Themen zu nicht immer gleichen Ergebnissen zu kommen. Und – um einigen die Nervosität zu nehmen – trotzdem auf dem geraden Pfad des christlichen Glaubens und der Grundlage der Heiligen Schrift zu gehen. Aber dazu gleich mehr.

Wenn meine Erkenntnis die einzig wahre ist, dann muss ich mich von allem abgrenzen, was dieser Erkenntnis nicht entspricht. Das wäre eine Einheit auf Grundlage von Übereinstimmung. Stimmst du mit mir überein, sind wir eins. Das ist dann „Einheit aufgrund der gleichen Lehre“.

Das ist ja auch gar nicht schlecht. So kann man einen Standart, eine Grundlage schaffen. Denn schließlich geht es ja doch nicht darum, dass jeder glauben kann, was er will. Nein, Gott ist ein lebendiges Wesen mit einem in Christus geoffenbarten Charakter. An Ihn glauben wir! Die Frage ist, sollten wir in unserem Verlangen nach einer Einheit in der Lehre über diese Grundlage des Glaubens an Christus hinaus auch weiter eine Einheit der Lehre in allen anderen Bereichen fordern, um Einheit zu erreichen? Oder kann das dann doch anders aussehen?

Ein Lösungsvorschlag

Ich denke, der Versuch die Einheit durch gleiche Lehrmeinung in allen Punkten zu suchen, ist der falsche Ansatz. Eine bessere Grundlage wäre die folgende.

Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden.1. Kor 12, 13

Bevor wir weiter machen: Es ist natürlich klar, dass wir von Menschen sprechen, die an Christus sein Erlösungswerk glauben und es persönlich für sich angenommen haben. Außerhalb von Christus gibt es keine Erlösung. Das heißt, hier ist die eine Lehrgrundlage, die tatsächlich einen Trennstrich zieht. Nämlich zwischen denen, die glauben und denen, die nicht glauben. Es ist die Einheit des Glaubens. Nämlich des Glaubens an Jesus Christus als dem fleischgewordenen Sohn Gottes, der unsere Schuld am Kreuz schuldlos getragen hat und von den Toten auferstanden ist. Wenn ich das nicht glauben kann, bin ich schlicht kein Christ. Das wäre ein weiteres großes Thema, doch ich denke von diesem Fundament aus – Christus – können wir weiter im Thema gehen: Einheit unter den Christen (Es geht ja nicht um Einheit unter Menschen generell, sondern im Leib Christi). Doch weiter im Text.

Laut dem obigen Vers befinden wir uns bereits in Einheit. Das ist schockierend? Das kann nicht stimmen, weil es nicht so erlebt wird? Naja, das sind Argumente auf negative Erfahrungen gegründet, welche nicht viel mit Glauben zu tun haben. Und genau hier will ich ein Umdenken versuchen.

Wenn wir doch alle ein Leib sind, die an Jesus Christus glauben, dann besteht diese Einheit schon im geistlichen Bereich. Wir sind alle Teil von Christus und bilden zusammen einen Organismus – Seinen Leib. Die Bibel erklärt das als Fakt! Wir haben alle von demselben Geist getrunken und sind alle in denselben Leib hineingetauft worden. Wir haben das auch schon im Gebet Jesu anfangs gesehen: „das auch sie in uns eins seien“ (siehe Johannes 20, 21). Das zeigt schon mehr als eindeutig, dass diese Einheit eben „in Christus“ stattfindet und nicht zuerst ein menschengemachtes Werk ist. Jeder, der den Namen des Herrn Jesus Christus anruft, gehört zu und in diese Einheit!

Was wäre, wenn ich das glaubensvoll annehme, BEVOR ich erwarte, dass für Einheit jeder meine Lehrmeinung haben muss?

Begegnen als Familienmitglieder

Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! Röm 12, 10 (Einheitsübersetzung)

„Übertrefft euch in gegenseitiger Achtung“, wow! Die Elberfelder Bibel sagt „in Ehrerbietung einer dem anderen vorangehend“. Es ist nicht der einzige Vers dieser Art, der beschreibt, in welcher Liebe, Respekt, Wertschätzung und Ehre die Glieder des Leibes Christi – Brüder und Schwestern in Christus, Familie – miteinander umgehen sollen. Was passiert jetzt, wenn ich verstehe, dass alle Gläubigen bereits eins in Christus sind?

Genau, ich treffe auf andere Christen und in meinem Herzen checke ich sie nicht erstmal aus, prüfe nicht, ob sie die richtige Lehrmeinung haben (nämlich meine…;), beobachte sie argwöhnisch und kritisch, weil sie sich im Stil und Ausleben ihres Glaubens unterscheiden, richte und bewerte sie nicht gleich als „religiös“ oder „fanatisch“, packe sie auch nicht gleich in meine Glaubensschubladen „charismatisch“, „evangelikal“, “gesetzlich”, … Nein, ich nehme sie ZUERST an, da es Brüder und Schwestern sind. ZUERST komme ich mit einem Herzen der Annahme, Liebe, Wertschätzung, Respekt und Ehre! Wenn ich das wirklich im Herzen verstanden habe, hat der eklige Stolz, die Arroganz der eigenen Erkenntnis, das ewige Besserwissen, die Begrenzung meiner eigenen kleinen Perspektive, meiner Gemeinde, oder Bewegung… all das zusammen mit meiner perfekten Bibelauslegung (Vorsicht: Ironie, schon wieder…) keine Chance und beherrschen nicht den Kontakt. Nein, sondern: „Aha, ein Christ, also sind wir eins, also sind wir Teil desselben Leibes, also bringe ich Liebe und Ehre entgegen.“ Das macht ja auch Sinn, denn wenn wir wirklich in einen Leib getauft wurden, dann rede, denke, handle ich schlecht über mich selbst, wenn ich den Bruder oder die Schwester geringschätze! Ja, das sollte man mal überdenken. Denn wenn ich Teil desselben bin, dann leiden alle, wenn ein Teil leidet (siehe 1. Kor 12, 26).

Dies, lieber Leser, ist eine Glaubensperspektive. Im Glauben setze ich die Einheit als etwas Geschehenes voraus (wie es in allen anderen Dingen unseres christlichen Lebens ja auch ist, oder sein sollte). Dies ändert schlagartig meine Perspektive! Einheit ist nun nicht etwas menschengemachtes. Es geht nicht erstmal um Lehrmeinungen und wie man den Glauben auslebt, sondern wenn jemand sagt, dass er an Jesus als persönlichen Erlöser glaubt, nehme ich das erstmal als Fakt an (Es ist nicht mein Job, die Motive des Herzens zu richten!). Egal welcher Konfession, Gemeindezugehörigkeit oder Dienst. Das Ganze nennt sich die „Einheit des Geistes“.

Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens:
Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung!
Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe,
ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist. Eph 4, 3- 6

Hier sehen wir es noch mal gut. Wir sollen fleißig sein die Einheit der Lehre, äh, ich meine die Einheit des Geistes!, zu bewahren. Worin die besteht? Genau: Wir sind alle in einen Leib getauft und haben denselben Geist. Ein Herr Jesus Christus, eine Taufe in Ihn hinein, ein Gott und Vater aller. Eigentlich nicht so schwierig. Und gemeinsam haben wir ein Ziel (Hoffnung der Berufung), nämlich das Jesus durch Seinen Leib sichtbar wird. Da haben wir wieder die Verheißung auf dieser ausgelebten Einheit im Geist: Die Welt erkennt Christus in und an uns!

Gott selbst treibt dieses Prinzip auf die Spitze, indem Er erklärt:

Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, kann nicht Gott lieben, den er nicht gesehen hat. 1. Joh 4, 20

Wir sehen, dass die Liebe zu Gott sich immer auch ausdrückt in der Liebe zu den Geschwistern. Und Brüder und Schwestern sind die, die Jesus Christus als persönlichen Erlöser angenommen haben.

Wir sind eins in Christus! Es ist ein momentaner, realer Zustand.

Das wusste der Teufel auch schon

Nun, das Ganze ist seit Jesus Christus eigentlich kein Geheimnis und wen wundert’s, auch der Teufel kennt diesen Ansatz für Einheit. Anscheinend oft besser als wir Christen… und versucht es mit allen Mitteln zu verhindern. Es ist wirklich mehr als eindeutig, dass sich Brüder und Schwestern im Glauben nicht beschuldigen, beschimpfen, verleugnen, ungeprüfte Halbwahrheiten rum posaunen, hetzen, belügen, schlecht reden, Verdächtigungen äußern usw. usw. usw. sollen (wozu wahrscheinlich unter Umständen auch zusammengeschnippelte YouTube Clips gehören…Vorsicht, wieder Ironie. Natürlich gehört das dazu! Und wie!). Damit man das aber getrost und im Segen des Herrn weiter machen kann (diese Ironie verlässt mich nicht…), muss ich meinem Bruder oder meiner Schwester mit einer anderen Ansicht als ich sie teile, den Glauben absprechen. Nur so wird er oder sie nicht mehr mein Brüderchen oder Schwesterchen… Und jetzt darf ich ja…

Naja, unpraktischer Weise dürfte ich eigentlich auch dann nicht, denn es widerspräche der göttlichen Liebe. Immer diese Liebe… sie ist schon lästig, wenn man andere runter machen will. Auch wenn ich es etwas drastisch ausdrücke, aber das Ziel ist zu erkennen, dass der Feind seine Finger im Spiel hat, wenn oben genannte Haltungen vorhanden sind. Es ist bittere Ironie, dass sich Christen lautstark und unehrenvoll streiten und anfeinden, dabei die Bibel benutzen, um dann ihren Punkt auch noch mit Ärger und Zorn zu untermauern. Dabei lesen wir in derselben Bibel, dass Zorn, Wut, Spaltung und dergleichen Werke des Fleische sind… (siehe Galater 5, 19- 21). Autsch…

Gehen wir noch einen Schritt weiter. Wenn jemand mit dem Mund Jesus als Herrn bekennt, dann muss ich das doch erstmal so hinnehmen. Aber was, wenn ich das nicht mache? Ja dann habe ich mich entschieden, die Person als Lügner hinzustellen, da ich damit ausdrücke, dass sie nicht im Herzen glaubt. Eigentlich ziemlich deftig das Ganze. Ich richte dann ihr Herz und behaupte von außen, dass die Aussage der Person nicht mit ihrem Innern übereinstimmt. Das ist übelste Anmaßung und eine hässliche Sünde! Denn die Motive des Herzens zu richten ist nicht unsere Aufgabe! Das sollte man Gott überlassen.

Annahme kommt vor Veränderung

Eine der radikalsten und wunderbarsten Proklamationen des Evangeliums ist das: Annahme kommt vor Veränderung! Würden wir diese eine Wahrheit wirklich verstehen, würden unsere Ehen, Freundschaften und Beziehungen anders aussehen. Statt dessen finden wir leider oft lauter Bedingungen, eigene Vorstellungen und Anforderungen, bevor ich jemanden akzeptieren kann. Wir wollen den anderen verändern. Wenn er dann ist, wie wir es uns vorstellen, kann Liebe fließen. Was für ein Drama… Ich bin sehr froh, dass Jesus das nicht so mit uns macht. Er liebte uns zuerst. Er nahm uns an. Er versöhnte sich mit uns. Und nun ist die Einladung offen für uns, darauf zu reagieren und das Angebot anzunehmen oder abzulehnen. Aber unsere Veränderung fließt aus Seiner Annahme, nicht um von Ihm angenommen zu werden.

Darin können wir auch sehen, dass Veränderung viel besser funktioniert, wenn wir sie nicht als Bedingung vorne anstellen. Gefühlte Annahme bahnt den Weg für Vertrauen. Vertrauen öffnet das Herz für Korrektur. Jeder von uns hat so Jesus sein Herz geöffnet. Wir fingen an Ihn für vertrauenswürdig zu halten und damit fingen wir an Ihm zu glauben. Woher kam es? Weil Seine Liebe uns gegenüber fest war (und ist) und keine Bedingungen an uns stellte (und immer noch nicht stellt). Je mehr ich Seine Liebe ergreife, um so mehr ist es mein sehnlichster Wunsch, verändert zu werden.

Wir sehen also, dass es bei Einheit gar nicht erstmal um „gleiches Denken“ oder „Übereinstimmung in allen Dingen“ geht. Nein. Und wir sehen auch, dass wir einer lehrmäßigen Einheit sogar schneller näher kommen würden, wenn wir Annahme als erstes Ziel setzen, weil man in sicheren Beziehungen schneller bereit für Korrektur ist. Man vertraut sich gegenseitig mehr!

Ich habe keine Probleme, mich mit den verschiedensten christlichen Hintergründen an einen Tisch zu setzen: Katholiken, Methodisten, Pfingstler, Hyper-Gnadenpredigern, Dispensationalisten, Präteristen, Futuristen, Glaubenslehrern, Drunken-Glory Vertretern, Evangelikalen, Charismatikern, Gebets- und Fastenbewegungen… Ich kann sie schätzen und zuhören, sie ehren als Gott geschaffene Menschen, die an Jesus Christus glauben. Mit so einer Haltung kann ich sogar von ihnen lernen, da Gott gerne in einer anderen Form versteckt, was wir brauchen, um weiter zu kommen. Das tut Er, damit wir uns voreinander demütigen, statt stolz zu meinen, wir haben die einzig richtige Erkenntnis.
Das Ganze heißt jetzt aber nicht, dass ich mit allem, was diese Leute an diesem Tisch sagen, übereinstimme! Und es heißt auch nicht, dass ich sie das nicht auch wissen lasse, sie herausfordere, Dinge in Frage stelle, ja vielleicht sogar als gefährlich einstufe. All das kann mit Respekt und dem Bewusstsein des gleichen Nenners Jesus Christus geschehen. So kann ein Austausch fruchtbar werden und man kann voneinander lernen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich Korrektur annehme von jemanden, der mir ehrenvoll und nicht besserwisserisch und hochmütig gegenüber steht, ist wohl ein vielfaches Höher, als wenn mich jemand ohne mich zu kennen beschimpft, anklagt und mich als Irrlehrer hinstellt.

Natürlich kann so ein Austausch nicht immer stattfinden oder ist auch einfach oft nicht möglich. Und gerade dann sollte ich die Finger vom Fingerzeigen lassen und, wenn ich schon überzeugt bin, dass was falsch ist, erstmal zur Fürbitte greifen. Ich frage mich regelmäßig, wie viel stärker, einflussreicher, gesünder und herrlicher der Leib Christi wäre, wenn wir all unsere Kritik, Besserwisserei, Warnerei, Fingerzeigerei, Tratscherei etc in Fürbitte und Gebet umwandeln würden… Denk mal drüber nach und hilf mit, den Unterschied zu machen!

Wenn du z.B. ein Problem mit einer Person wie Benny Hinn hast und deshalb wild Halbinformationen und nicht geprüfte negative Erkenntnisse weitergibst, oder von Fehlern berichtest, die Jahre alt sind und du nicht mal weißt, ob da eine Umkehr statt gefunden hat oder nicht, nimmst du an einem Rufmord teil. Muss man leider mal so deutlich sagen.

Erstens: Wenn eine negative Info stimmt, dann solltest du erst recht beten, denn ein Bruder hat dann ein Problem und braucht Hilfe („Die Christen sind die einzigen, die ihre Verwundeten noch angreifen, statt sie zu verarzten.“).
Zweitens: Stimmt sie nicht (Was stimmt und was nicht ist meistens eine schwer zu prüfende Grauzone, besonders wenn meine Infos von dubiosen Internetquellen stammen.), bin ich auf die Seite des Verklägers gewechselt, helfe mit bei Lästerei und Rufmord und damit Trennung im Leib Christi und somit stehe ich auch der Errettung von Menschen im Weg, die ja an unserer Einheit Christus erkennen sollen. Ich setze also für andere Menschen die Ewigkeit aufs Spiel, nur weil ich etwas nicht verstehe oder nachvollziehen kann. Das ist nicht lustig und sollte die Furcht Gottes auf den Plan rufen!

Ehren heißt nicht unbedingt übereinstimmen. „Vater und Mutter ehren“ bedeutet nicht, dass Vater und Mutter immer Recht hatten und keine Fehler gemacht haben. Ehren ist eine Haltung des Herzens. Es ist eine Haltung der Liebe, des Respekts und der Wertschätzung. Selbst dann, wenn man „übereinstimmt, dass man nicht übereinstimmt.“

Außerdem: Unsere Probleme mit anderen offenbaren meist unser eigenes Problem. Macht dich jemand mit seinen Aussagen wütend und zornig? Wut und Zorn sind niemals „Beweise“, dass jemand recht hat. Sogar das ganze Gegenteil! Wenn ich wütend und zornig mit der Bibel argumentiere, bin ich voll im Fleisch und damit nicht in der Liebe. „Aber ich habe recht!“ Nun, vielleicht hast du sogar wirklich „recht“. Doch diese Art der Argumentation ist der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, zu erkennen an dem Frust, Zorn, Streit und dergleichen. Auch das „Gut“ dieses Baumes ist nicht Christus, der Baum des Lebens. Es ist so ähnlich wie “allen Glauben haben”, in den “Gaben fließen”, “mein Leben hingeben”… aber all das ohne Liebe – dann ist es nichts (siehe 1. Kor. 13)!

Die Liebe kann klar Stellung beziehen. Dabei erlebt sie aber keinen persönlichen Anstoß, Verletzung, Wut, Zorn, oder dergleichen. Sie liebt, egal was (oder wer) kommt.

Noch Vieles ließe sich hier sagen, aber hier machen wir erstmal Schluss. Themen wie „geistliche Ordnung im Leib Christi“, „Leiterschaft“, „der politische Geist“, „Autorität und Unterordnung“, „Unterscheidung“ sind alles noch wichtig Themen im Thema „Einheit“. Doch dazu ein anderes Mal mehr.

Zusammenfassung

Zusammenfassend sind wir in Christus bereits eins. Wenn wir uns untereinander mit Augen des Glaubens so begegnen, kann daraus eine wunderbare Herzenseinheit fließen, welche sichtbar und messbar ist. Ja, es gibt Falsches und eine gesunde Vorsicht (“Ist das Gott?” nicht “Ist das der Teufel?”) ist angebracht und ratsam. Aber unsere ständige Angst vor Verführung ist schon eine Verführung. Der Leib Christi ist bunt und Seine Ausdrucksformen sind kreativ. Nur wenn wir die Angst vor der “anderen Form” verlieren und mit demütigen Herzen einander begegnen, wird Ergänzung möglich, wodurch mehr von Christus in diese Welt scheint und so mehr Menschen den Weg zum wahren Leben finden können.

 

– Conrad Max Gille