Die Sache mit dem Charakter

Die Sache mit dem Charakter

Wir alle kennen sicherlich Predigten und Lehren über Charakter. Ich selbst habe bereits etliche gehört und bin immer wieder auf eine Aussage gestoßen, die im Hinblick auf Gottes Wirksamkeit gemacht worden ist. Dieses Statement lautet oft ungefähr so:

„Wir erleben derzeit nicht das Wirken, das wir uns gerne wünschen (Heilungen, Zeichen, Wunder, Prophetie, Manifestationen, etc.), weil unser Charakter es nicht tragen könnte.“

Ich habe diese Aussage oft einfach so stehen lassen ohne weiter dadrüber nachzudenken. Ich meine, das Ganze hört sich ja irgendwie geistlich, tief und biblisch an. Aber lasst uns mal ehrlich sein. Eigentlich gibt es so eine Stelle nicht wirklich in der Bibel (oder ich habe sie nach über 10 Jahren Bibel lesen noch nicht gefunden).

Ich möchte an dieser Stelle dennoch ein fettes Statement machen. Ich liebe Charakter und ich bin nicht gegen Veränderung unseres Charakters. Ich bin absolut davon überzeugt, dass Gott unseren Charakter formen möchte und dass wir persönliche Veränderung benötigen. Gott will Seinen Sohn durch Menschen verherrlichen, die wie Sein Sohn aussehen. Also so lange es Dinge in meinem Leben gibt, die Ihm nicht gleich aussehen, will ich transformiert werden!

Jetzt kommen wir zurück zu dem, was ich eigentlich sagen möchte. Es gibt diese Stelle nicht in der Schrift, dass Gott uns Dinge vorenthält, weil unser Charakter es nicht tragen könnte. Irgendjemand hat sich diesen schlauen Satz wahrscheinlich mal ausgedacht und seitdem macht er die Runde. Wie komm ich darauf?

Die Bibel spricht an diversen Stellen davon, dass Gott ins uns Wohnung gefunden hat. Wir sind zu Seinem Tempel geworden und Sein Geist lebt in uns (1Kor 3,16). Er ist unser Weinstock und wir sind die Rebe desselben Weinstocks (Joh 15,1-5). Wir sind die neuen Zweige, die in den Ölbaum gesteckt worden sind (Röm 11,17). In Ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit und wir sind nun in Ihm mit derselben Fülle zur Fülle gebracht (Kol 2,9+10). Es gibt noch weitere Stellen in der Schrift, die alle ein und dasselbe beschreiben: Wir sind in Ihm und Sein Leben fließt durch uns.

Genau die gleiche Substanz, die durch den Weinstock fließt, fließt in die Rebe hinein. Röm 11,17 sagt, dass wir mit genau derselben Wurzel und Fettigkeit des Ölbaums vereint worden sind. Was möchte ich sagen? Folgendes: Alles, was Gott ist und alles was Er hat, ist nun in uns. Es gibt keine Bedingung und keine Einschränkung. Jemand sagte mal: „Gott kommt in Person, nicht in Portionen.“ Alles von Gott ist nun in dir. Er hält nichts zurück und kann es auch nicht, weil Er mit Seiner gesamten Fülle in dein Leben eingezogen ist.

Die Frage, die sich hier nun stellt, ist: „Wieso erleben wir die gesamte Fülle Gottes denn dann nicht?“ Viele haben versucht diese Frage mit fehlendem Charakter zu beantworten, wo ich ganz klar sage, dass das nicht der Fall ist.

Wir befinden uns alle in einem Prozess der Transformation. Gott will uns durch den Heiligen Geist immer mehr in das Bild Seines Sohnes verwandeln. Je mehr wir Ihn sehen, desto mehr werden wir in das gleiche Bild verwandelt (2Kor 3,18). Paulus spricht an vielen Stellen von der Erneuerung des Denkens. Ich bin davon überzeugt, dass je mehr wir Jesus sehen, desto mehr Ihn in uns hervorbringen. Wir werden diese Fülle mehr erleben, wenn unsere Jesus-Erkenntnis wächst. Charakter ist nicht die Voraussetzung dafür, dass mehr Zeichen und Wunder durch uns geschehen. Zeichen und Wunder geschehen dann mehr, wenn wir begreifen wer wir in Ihm sind.

Und hier kommt nun die Sache mit dem Charakter rein: 
Unser Charakter verändert sich als ein Nebenprodukt, wenn wir Ihn erkennen und begreifen wer wir sind. Charakter trägt nicht dazu bei, dass mehr tolle Dinge durch uns geschehen. Allein mehr Offenbarung von Jesus befähigt uns in der Fülle Gottes zu gehen. Und Charakter geschieht automatisch nebenbei.

Wir sehen in der Schrift nicht, dass Charakter vorausgesetzt wird, um Gottes Wirken zu sehen. Schau dir mal die 12 Jünger von Jesus an. Jeder einzelne hatte Charakterschwächen. Der eine war stolz, der andere wollte bevorzugt behandelt werden, zwei Jünger wollten eine ganze Stadt zerstören, einer hat Jesus bestohlen und betrogen, usw. Dennoch sehen wir Gottes gewaltiges Wirken durch diese 12 Jungs. Dabei hat sich ihr Charakter auch nicht sofort verändert. Wir sehen später z.B. einen Petrus, der radikal heuchelt und das noch versucht zu vertuschen. Charakter ist keine Voraussetzung für das Wirken Gottes.

Er hat sich uns geschenkt mit allem, was Er ist und hat. Sein Leben brodelt in uns. Sein Wesen ist vollkommen in uns eingezogen. Charakter befähigt nicht, dass wir das erleben. Das einzige, was uns befähigt, ist zu wissen wer Er ist. Wenn wir wissen, wer Er ist, erfahren wir, wer wir sind. Und das führt dazu, dass u.a. folgende zwei Dinge passieren: 1. Mehr Zeichen und Wunder, 2. Veränderung des Charakters.

Als der verlorene Sohn die Party seines Lebens bekam und der ältere Bruder nach Hause kam, beklagte er sich bei seinem Vater darüber, dass der Vater noch nie für ihn seinen Schuppen in eine Disko verwandelt hat. Was war die Antwort des Vaters? „Kind, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, ist dein.“ (Lk 15,31). Man das ist eine Botschaft! Dem älteren Sohn hat trotz seinem mangelndem Charakter bereits alles gehört. Genau dasselbe ist wahr über uns. Wir sind in Ihm, Er in uns und alles, was Ihm gehört, gehört uns. Keine Einschränkung, keine Voraussetzung, kein Kleingedrucktes, Nichts!

Charakter ist keine Voraussetzung. Charakter entwickelt sich, wenn wir Ihn sehen. Allein, das Ihn sehen, ist notwendig. Also darfst du an dieser Stelle jeden Stress ablegen, dich nach hinten lehnen, Ihn anschauen, Ihn dich verändern lassen. Dadurch werden mehr Wirksamkeit und mehr Charakter kommen. Doch das letztere ist keine Voraussetzung für das erstere. Das wird es niemals sein. Charakter ist gut und wichtig, aber nicht die Landebahn für Zeichen und Wunder. Zeichen und Wunder sind in dir hineingezogen, als Er kam. Das ist die einzige Voraussetzung. Genieß es!

– Houtan