Kein Ersatz für die Kraft Gottes

Kein Ersatz für die Kraft Gottes

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich fühle mich manchmal fast schon eingeschüchtert von den krassen und exzellenten Gemeindegebäuden, der Dekoration und Professionalität, der hochwertigen Technik und mega Bühnen in vielen Gemeinden. Das Internet lässt uns da schnell einen Einblick haben. Vielleicht liegt es daran, weil ich selber Leiter einer Gemeinde bin und wir das (noch) nicht so toll hinbekommen? 

Doch über die Jahre ist mir auch eine Sache mehr und mehr klar geworden. All das ist gut und schön und hat seinen Platz. Aber wenn es den Platz Seiner Gegenwart und Wirksamkeit einnimmt, dann ist es kaum was Wert.

Ich liebe Exzellenz. Ich weiß nicht, ob ich selber da immer so gut drin bin. Manchmal fühlt es sich mehr wie ein Versuch an… Aber ich will Exzellenz auch nicht mit Perfektionismus verwechseln. Das ist tödlich. Doch das ist gar nicht das Thema. Man könnte das Thema vielleicht so nennen: Wenn Gottes Kraft fehlt, wird Gebäude, Deko, Style, die Farbe des Teppichs usw. zur Priorität. Alles dreht sich um Äußerlichkeiten. Schlimmer noch, sie können sogar für heftigen Streit sorgen! Die Einblicke in die perfekt initiierten Gottesdienste heute verschärfen das Ganze, ohne das wir die Hintergründe, Geschichte, Kämpfe dieser Gemeinden und Dienste kennen. „Wenn wir auch so was hätten, dann…“ „Wenn wir auch so einen Screen hätten, dann…“ „Wenn wir auch so eine tolle Band hätten, dann…“ etc.

Die Prioritäten müssen stimmen! Es gibt nichts gegen Exzellenz in diesen äußeren Bereichen zu sagen. Ich wünsche es mir, dass die Gemeinde in Kreativität und Ausdruck ganz vorne mitmacht. Aber es darf nicht an die Stelle dessen treten, um das es im Christentum nun mal geht: Christus. Wenn es das tut, wird es ein Götze, etwas, was Gottes Stelle einnimmt. Und übrig bleibt eine mit der Welt konkurrierende Gemeinde, wer die beste Show hat. Erstens, werden wir da wohl fast immer verlieren. Zweitens geht es nicht darum! Nein, die Kreativität und der Ausdruck sollten aus den Wesentlichen fließen, sonst ist es hohl und leer, eine Hülle ohne Inhalt. Menschen brauchen nicht zuerst christliches Entertainment (Ich habe nichts dagegen!), sie braucht eine Begegnung mit Gott! Sie braucht Transformation, Veränderung, den lebendigen Gott! Was nützen uns die tollsten Bühnen, wenn von ihnen keine Kraft fließt? Oder was nutzen die schönsten Gebäude, wenn die, die sich dort versammeln, keine Transformation erleben und keine Kraft Gottes in ihren Alltag bringen?

Wenn die Kraft fehlt, wird immer versucht sie zu ersetzen, in welcher Form auch immer. Funktioniert leider nicht. Daher hier die Ermutigung: Mit Gottes Gegenwart haben wir soweit erstmal alles, was wichtig ist! 

Die Azusa-Street Erweckung startete in einem alten Stall. In der verfolgten Kirche in den muslimischen Ländern, oder China, haben sie oft nicht mal irgendeine Form von Musik, außer ihre Stimmen. Und sie treffen sich in kaputten Gebäuden, Hinterhöfe, Wäldern… Aber Gottes Gegenwart wirkt. Und oft stärker als in westlichen Kirchen je erlaubt wäre (entschuldigt die feine Ironie, hehe). 

Jesus, der König der Herrlichkeit, wurde in einem schmutzigen Stall geboren!

Ich sag Dir was. Wenn die Gegenwart Gottes spürbar und erlebbar im Raum ist, fragt niemand mehr nach der Deko, dem Musikstil, der Uhrzeit oder der Farbe der Tapete! Ich sage es mal so: Ich habe lieber die Herrlichkeit und Kraft Gottes in einer unperfekten Umgebung, als die perfekte Umgebung und nur heiße Luft. Ich habe lieber leidenschaftlich hingegebene Musiker, die noch am Üben sind, aber mit dem Geist Gottes fließen, als unsensible Profis, die nur Musik machen, statt anzubeten. Doch es geht auch zusammen, wenn der Fokus stimmt!

Äußerliche Präsentation ist wichtig und gut, wenn es darum geht, Leuten von außen ein nettes Willkommen zu bereiten und die Schwelle, in der westlichen Welt mal einen Gottesdienst zu besuchen, niedrig zu halten. Klar! Doch wenn es der Fokus wird? Wenn das alles ist, was Leute von außen antreffen?

Reinhard Bonnke sagte mal diesen frechen Satz: „Je weniger Heiliger Geist die Gemeinde hat, umso mehr Kaffee und Kuchen braucht sie.“

Und auch hier: Ich denke nicht, dass der gute Reinhard was gegen Kaffee und Kuchen hat. Das Problem ist, dass es ein Ersatz wird, wenn die Kraft fehlt. Doch es gibt keinen Ersatz. Ein ordentlicher Ersatz für etwas ist ja prinzipiell erstmal nichts Schlechtes. Aber Gott Selbst kann man nicht ersetzen! Das muss in unseren Kopf, Herz, Körper, jede Zelle unseres Seins!

Menschen wollen frei werden, nicht nur Gebäude bestaunen. Menschen fragen nach etwas, was ihr Leben verändert, nicht nur für 1-2 Stunden ein nettes Gefühl gibt. Sie suchen Antworten auf echte Fragen. Antworten, die nur Gottes Gegenwart und Kraft geben kann, selbst dann, wenn es den Verstand erstmal unbefriedigt lässt. 

Exzellenz, Kreativität, äußere Darstellung usw. sollten ein Ausdruck Seiner Gegenwart sein, ein Ausdruck der Liebe zu Ihm, ja, sollten Seine Gegenwart sogar transportieren und tragen (Ja, das geht!). Aber nie ersetzen!!! Schön ist, wenn man am Ende beides hat. Aber der Fokus muss klar sein. Es gibt nur einen Fokus, durch den alles fließt. Er heißt Jesus Christus!

Ich hoffe, Du hast mich richtig verstanden. Das ist keine Anti Botschaft. Das ist eine Neufokussierung, Kalibrierung, Ausrichtung auf das, was zuerst und durch das alles kommen muss! 

Wir sammeln uns um Seine Gegenwart und erwarten Seine Kraft und Wirksamkeit! Und geben in Exzellenz und Hingabe unser Bestes, um Ihn auch nach außen gut zu repräsentieren. Kraftlosigkeit ist kein Option. Jesus will in unserer Mitte wirken. Ohne Jesus ist alles doof.

Welche Bibelstellen es dazu gibt? Gute Frage. Wichtige Frage. Hier sind zwei. Glaub mir, es gibt viele viele mehr. Am Besten Du glaubst mir nicht und liest die Bibel selbst. 😉

Denn das Reich Gottes besteht nicht im Wort, sondern in Kraft. 1. Korinther 4, 20

Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden. Matthäus 6, 33

In Liebe und Gnade, Euer Conrad Max Gille