Prediger und deren Bezahlung

Prediger und deren Bezahlung

Immer wieder interessant, wie das Thema Geld unseren Alltag, Beziehungen, Entscheidungen und Lebensweise beeinflusst, aber dennoch nicht so gerne darüber gesprochen wird. Besonders interessant wird es beim Thema Prediger und Geld. Da wird viel geredet, scheinbar hat jeder irgendwie eine Meinung, aber selten ist sie klar in der Schrift begründet. Oder wenn, dann einseitig.

Darf ein Prediger des Evangeliums ein Honorar verlangen? Darf er überhaupt Geld verdienen? Was heißt „vom Evangelium leben“? Ist es unmoralisch, dass manche nicht predigen, wenn sie nicht ein bestimmtes Honorar bekommen? Was ist der Antrieb und die Motivation eines Predigers? Solchen und ähnliche Fragen wollen wir uns stellen. 

Ich bin selber ein Prediger. Ich bin Hauptleiter in einer lokalen Gemeindefamilie und reise seit nunmehr vielen Jahren, um in anderen Gemeinden, auf Konferenzen oder Seminaren zu sprechen. Auch wenn ich den Ausdruck nicht mag, aber es ist sozusagen mein Job (Es ist tatsächlich viel mehr meine Bestimmung. Warum ich das unterscheide, hat mit dem Thema Geld zu tun und ich werde es am Ende erklären.).

Mein Ziel ist mit diesem Artikel etwas Licht auf den oft unklaren Nebel der Bezahlung von Predigern (egal ob fest an einem Ort, Reisedienst oder beides) scheinen zu lassen und hoffe auf einen ungezwungenen und in der Schrift gegründeten Umgang mit dem Thema. Dabei ist es egal, ob du ein Prediger bist, oder nicht. Die Wichtigkeit, darüber bescheid zu wissen, gilt für beide Seiten gleichermaßen!

Honorar ja, Honorar nein

Man findet scheinbar zwei Seiten zum Thema in der Schrift. 1) Kein Honorar. 2) Das Recht auf Honorar. Doch wenn man genauer hinsieht, dann doch nicht. Lass mich das erklären. 

Einer der berühmtesten Verse:

Heilt Kranke, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt! Matthäus 10, 8

Ziemlich deutlich, oder? Eine sehr ermutigende Aussage, eine geniale Aufforderung, das Übernatürliche zu tun und dies nicht aus unserer Anstrengung und nicht wegen unserer Leistung. Wir haben es als Geschenk bekommen, wir geben es auch so weiter. Doch geht es dabei überhaupt um das Thema „Honorar“?

Nachfolgend lesen wir einen längeren Bibelabschnitt. Ich habe die einfacher zu lesende „Gute Nachricht“ Übersetzung gewählt. Es ist wichtig, den gesamten Textzusammenhang zu greifen, weshalb wir den ganzen Text lesen. Aber der ist auch tatsächlich genial zu dem ganzen Thema. Paulus verteidigt sich Leuten gegenüber, die ihm unlautere, egoistische Motive seines Dienstes unterstellen wollen. Ein Hauptpunkt neben ein paar anderen dabei – wer hätte es gedacht – das Geld. Schauen wir es uns an:

Hier ist meine Antwort an die Leute, die Kritik an mir üben: Hätte ich nicht Anspruch darauf, für meinen Dienst als Apostel Essen und Trinken zu bekommen? Hätte ich nicht das Recht, eine Christin als Ehefrau auf meine Reisen mitzunehmen, wie es die anderen Apostel tun und die Brüder des Herrn und auch Petrus? Sind ich und Barnabas die Einzigen, die mit ihrer Hände Arbeit für ihren Unterhalt aufkommen müssen? Wer zieht denn schon auf eigene Kosten in den Krieg? Wer pflanzt einen Weinberg, ohne von seinen Trauben zu essen? Wer hütet Schafe, ohne von ihrer Milch zu trinken?Ich berufe mich nicht nur auf das, was allgemein üblich ist. Das Gesetz Gottes sagt dasselbe. Im Gesetzbuch Moses steht geschrieben: »Einem Ochsen, der zum Dreschen eingespannt wird, darfst du das Maul nicht zubinden.« Geht es Gott vielleicht um die Ochsen, oder meint er nicht vielmehr uns bei allem, was er sagt? So ist es: Von uns ist hier die Rede, um unseretwillen steht es geschrieben. Wer pflügt und erntet, muss damit rechnen können, selbst einen Teil vom Ertrag zu bekommen. Ich habe geistliche Gaben, den Samen der Botschaft Gottes, unter euch ausgesät. Ist es zu viel verlangt, wenn ich dafür natürliche Gaben ernte, nämlich was ich zum Leben brauche? Andere nehmen dieses Recht in Anspruch und lassen sich von euch versorgen. Habe ich nicht einen viel größeren Anspruch darauf? Und doch habe ich von meinem Recht keinen Gebrauch gemacht. Ich nehme alle Mühen und Entbehrungen auf mich, um der Guten Nachricht von Christus kein Hindernis in den Weg zu legen.

Ihr wisst, dass die Priester, die im Tempel Dienst tun, ihren Lebensunterhalt von den Einkünften des Tempels bekommen; und wer am Altar den Opferdienst verrichtet, bekommt einen Teil von den Opfergaben. Genauso hat es Jesus, der Herr, für uns angeordnet: Wer die Gute Nachricht verbreitet, soll davon leben können. Aber ich habe von diesem Recht nie irgendwelchen Gebrauch gemacht. Ich schreibe das auch nicht, damit ich künftig in den Genuss davon komme. Eher sterben als das! Meinen Ruhm soll mir niemand nehmen! Denn wenn ich die Gute Nachricht verkünde, habe ich noch keinen Grund, mich zu rühmen. Ich kann ja gar nicht anders – weh mir, wenn ich sie nicht weitergebe! Nur wenn ich sie aus eigenem Antrieb verkünden würde, könnte ich dafür einen Lohn erwarten. Aber ich tue es nicht freiwillig, sondern weil ich mit einem Amt betraut bin. Worin besteht also mein Lohn? Mein Lohn ist, dass ich die Gute Nachricht ohne Entgelt verbreite und auf das verzichte, was mir dafür zusteht. 1. Kor 9, 4- 18

Wow! Was für Worte! Ich liebe das Feuer, die Leidenschaft, die Schärfe dieses Apostels. Er ist so besessen mit der guten Nachricht, dass er tatsächlich alles dafür niederlegt. Sogar das, was sein Recht wäre!

Paulus verzichtet in Korinth auf ein Honorar. Der Grund scheint deutlich: Menschen unterstellen ihm wohl falsche Motive wie z.B. Gier. Damit diesen Menschen jede Form der Grundlage ihrer falschen Anklagen entzogen wird, verzichtet Paulus auf ein Gehalt für seine Arbeit. Was für ein Herz! Paulus arbeitet in Korinth als Zeltmacher für seinen Lebensunterhalt nebenbei zu seinem geistlichen Dienst des Gemeindebauens, Predigens, Dienens. So war er nicht abhängig von der Gemeinde in Korinth und sie konnten ihm kein unlauteres Motiv unterstellen.

Dennoch müssen wir hier etwas verstehen. Paulus arbeitet nicht überall nebenher. Ich habe schon oft gehört, wie das gefordert wird. Pastoren und Leiter von Gemeinden sollen „Zeltmacher“ sein, was bedeutet, sie sollen nebenher arbeiten. Das kann mal sein, aber war für Paulus auch nur eine Zeit lang und situationsbedingt. Es war keine Regel! Und in unserer heutigen schnelllebigen Zeit ist es fast unverantwortlich einen Hauptleiter einer Gemeindefamilie nicht anzustellen und ihn oder sie so zeitlich freizusetzen. Jedenfalls ab einer bestimmten Größe der Gemeinde.

Noch deutlicher wird es im Kontext des Textes, den wir gerade gelesen haben. Paulus nutzt viele Verse, um deutlich zu machen, dass ein Prediger des Evangeliums auch davon leben soll! Er geht noch weiter und beschreibt es als absolut normal, dass jemand Lohn für seine Arbeit bekommt, und dass das verankert ist in Gottes Herzen, also so sein soll! Ja, er geht soweit zu sagen, dass es doch eine Selbstverständlichkeit sein müsste, dass wenn er Geistliches sät, er doch natürliche Versorgung ernten müsse. Prophetisch ist das schon im Alten Testament verwurzelt, wo die Priester, die am Tempel dienten, dafür Geld bekamen. Es war ihre Arbeit. Sie wurden dafür bezahlt. Und zwar wurden unter anderem die „Zehnten-Spenden“ des Volkes dafür benutz. Paulus erklärt also, dass die Bezahlung (oder auch Versorgung) eines Predigers des Evangeliums ein Recht ist! Er hätte vor Gott ein Recht darauf!

Das muss man erstmal so festhalten und auch wirken lassen. Es ist ok und in Ordnung, dass die, die Berufen sind in einer Form des geistlichen Vollzeitdienstes (Wir sind alle „Vollzeit“ für Jesus, was ich meine sind die Bereich „Pastor“ etc.) zu dienen, auch dafür bezahlt werden. Es ist nicht ungeistlich! Und es braucht kein Scham bedeckter Bereich sein, der verborgen, unangenehm und peinlich sein muss. Paulus beweist hier (und übrigens in vielen anderen seiner Briefe, wir schauen uns noch mehr dazu an), dass die Themen Geld und Bezahlung, Geben und Empfangen wichtige Themen sind, welche im Licht behandelt werden müssen. Er nimmt die Scham des Themas raus. Auch die Scham, von Spendengeldern bezahlt zu werden. 

Paulus aber verzichtete auf dieses Recht auf Honorar, aus den oben genannten Gründen, dem Evangelium keinen Anstoß zu geben. Ich denke das ist etwas, was wir lernen dürfen und nicht so oft hören. Dennoch ist auch das kein Grund zum Rühmen! Ich habe von Predigern gehört, die förmlich damit angeben, dass sie verzichten. Sie machen die klein und runter, die nicht darauf verzichten. Auch das ist eine Form von geistlichem Stolz! Es gibt kein Gesetz darin. Jeder steht da vor Gott und von außen lassen sich Motive sehr schwer richten. 

Es ist nicht ungeistlich, ein Honorar zu nehmen. Man ist nicht toller, mehr geliebt und besser als andere, wenn man es nicht tut. Ja, Respekt und Hochachtung für die, die bereit sind es zu lassen, und damit die Realität der Versorgung von Gott und nicht von Menschen beweisen und das Anstoßpotential des Evangeliums in dem Bereich abschwächen! Wir sollten lernen, darauf sensibel zu sein und es braucht mehr solche Beispiele. Doch Paulus ist der erste, der weiß, dass es keinen Platz mehr zum Rühmen und Angeben gibt, außer in Christus. Weder so, noch so. 

Paulus Versorgung

Paulus hatte ein tiefes Verständnis von Gott als seinem Versorger. Sein himmlischer Vater war sein Arbeitgeber, Versorger und Belohner. Nichts anderes ist für uns wahr. Egal, was wir tun. Wir arbeiten immer zuerst für Gott, erst dann für Menschen (Lebensstil der Anbetung). In dem allen nutzt Gott aber bevorzugt Menschen (geht auch anders), um andere zu versorgen, wie wir gleich sehen werden. 

Wie schon erwähnt, machte Paulus von seinem Recht auf Versorgung keinen Gebrauch. Hier noch mal 2 Verse aus dem 2. Korintherbrief, wo er es sogar noch mal bekräftig:

Solange ich bei euch war, bin ich niemand zur Last gefallen, wenn ich in Not war. Denn die Brüder, die aus Mazedonien kamen, brachten mir, was ich brauchte. Ich habe nichts von euch in Anspruch genommen. So werde ich es auch in Zukunft halten. 2. Kor. 11, 9 (GN)

Habe ich euch in irgendeinem Punkt schlechter behandelt als die übrigen Gemeinden? Ich weiß nur, dass ich euch nicht mit der Forderung nach Unterhalt zur Last gefallen bin. Verzeiht mir dieses Unrecht! 2. Kor. 12, 13 (GN)

Ich liebe Paulus seinen Sarkasmus von Zeit zu Zeit… Aber was lesen wir hier? Wir lesen, dass die Mazedonier ihn mit Spenden und/oder Geschenken unterstützt haben! Andere halfen bei seinem Mangel! Ob er in der Zeit das Zelte machen stoppte, oder er in dieser Zeit mehr als sonst hatte, geht nicht aus dem Text hervor.

Im Philipperbrief widmet Paulus dem Thema viel Zeit! Er dankt den Philippern, die „endlich mal wieder aufgeblüht sind, an ihn zu denken“ (siehe Phil. 4, 10) und spricht von einem Geldgeschenkt an ihn. Auch hier finden wir keine Scham, dass es Spendengeld ist, was Paulus empfängt. Er arbeitet hart und viel und weiß, dass er kein Faulenzer ist. Paulus geht noch weiter und nennt das Empfangene Geldgeschenk einen „duftenden Wohlgeruch, ein angenehmes Opfer, Gott wohlgefällig“ (siehe Phil 4, 18). Man, wann hast du das letzte Mal ein Geldgeschenk als duftenden Wohlgeruch benannt? Genau, wahrscheinlich lange her. Und wenn man es machen würde, würde man wahrscheinlich sehr schnell von gut meinenden Geschwistern abgeurteilt… und Paulus schreibt es so an die Gemeinde und es ist in der Bibel (Wenn du gerne einen komplette Auslegung nur dieses Teiles des Philipperbriefes lesen willst und die unglaubliche Freiheit des Paulus um Umgang mit Finanzen sehen möchtest, klick hier für einen Artikel darüber.)!

Persönliche Erfahrung

Ich spreche seit 2007 auch außerhalb der eigenen Gemeinde. Seit ca 2013 sogar mindestens einmal im Monat. Das meine ich als zusätzlich zu dem Dienst in der Gemeinde Face to Face, wo ich Pastor bin.

Anfangs stellte ich gar keine Bedingungen. Klar, da ist man froh, wenn man sowas überhaupt darf. Wir lebten eh total im Glauben (im Sinne von nie genug feste Einnahmen für feste monatliche Kosten – Gott musste jeden Monat Wunder tun) und es ging nie um Geld verdienen. Später wollte ich Reisekosten erstattet haben. Bis heute hat sich nicht so viel geändert, außer dass ich etwas klarer sage, wie ich übernachten möchte. Wenn man nachts nicht schlafen kann, ist man tagsüber weniger brauchbar. Daher stelle ich jetzt für mich Bedingungen. Ruhiger Rückzugsort, sauber, rauchfrei. Ja, ich möchte Reisekosten, Unterkunft und Verpflegung. Es ist ok, das zu wollen und natürlich kann man immer über alles reden, sollten gewisse Umstände echt so schwierig sein. Dann soll nichts hindern, das Evangelium zu bringen! 

Doch beim Honorar bin ich der momentanen Überzeugung, die Höhe offen zu lassen und keine bestimmte Summe zu verlangen (Auch wenn ich das schon musste, weil die Gastgeber es wollten). Doch ich war mir da nicht immer sicher und der Gedanke, ein festes Honorar zu fordern, kam öfters auf. Immerhin geht es nicht um Missionseinseinsätze in dritte Welt Länder (da würde ich normalerweise nicht auf die Idee kommen, Geld dafür zu erwarten). Mit Vorbereitung und der eigentlichen Reisezeit, körperlicher und emotionaler Anstrengung, oft dem getrennt sein von Familie, die sehr unterschiedlichen Zustände vor Ort, dem wenigen Schlaf und daher auch nötigen Ruhephase, wenn man zurück kommt, Gewöhungsphasen nach der Rückkehr, in den Alltag finden und viele viele kleine Faktoren ließen unsere Familie dann manchmal Fragen stellen, wenn man zum Beispiel von einem vollen Wochenende voller krasser Erlebnisse und Wirken Gottes mit 300,- € inklusive Reisekosten zurück kommt. Davon gehen dann noch diverse Abgaben weg… dann muss man wissen, dass man es nicht für das Geld macht. Und das war und sollte nie das Motiv sein! Ich mache es nicht für Geld. Punkt. Sehr sehr dankbar bin ich trotzdem für all die (und das sind die Meisten), die Großzügigkeit verstehen und leben.

Paulus meinte ja, dass das Recht auf Verpflegung und Honorar (und seinen Ehepartner mitzunehmen) grundsätzlich gegeben ist. Aber er meint auch, dass Großzügigkeit auch dem dient, der großzügig gibt. Und das zu leben (oder eben nicht) möchte ich bei denen Belassen, die mich einladen. Sie müssen wissen, was es ihnen wert ist. Und natürlich ist das Geben willkommen nach dem was man hat, nicht nachdem, was man nicht hat (siehe 2. Kor. 8, 12). Also sagt eine gewisse Höhe auch nicht unbedingt etwas aus über das dahinter stehende Herz. Ich möchte da einfach Freiraum lassen. Aber das muss man nicht so sehen wie ich. 

Die Erfahrungen sind dabei positiv abenteuerlich. Interessant ist, dass da, wo der Heilige Geist stark wirkt, die Großzügigkeit meistens auch eher hoch ist. Ich habe auch schon in einer größeren Gemeinde von 500+ Menschen gar nichts bekommen. Oder für ein ganzes Wochenende in einer großen Gemeinde 300,- € und das ohne Reisekosten und das war im Ausland mit Flugreise… (Gott versorgte treu auf anderem Weg). Ich habe aber auch schon dreistellige Summen in Versammlungen mit unter 100 Leuten bekommen… 

Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich das Konzept überdenken und neu Gott hinlegen würde, wenn ich nur noch reisen würde. Momentan habe ich durch meine Anstellung als Pastor bei Face to Face ein Grundgehalt. Würde das mal wegfallen, müsste ich neu überlegen. Aber um kleineren Gemeinden keine Last aufzulegen, würde ich wahrscheinlich eher finanzielle Partner suchen, damit man das Honorar weiter nach ermessen offen lassen kann. Aber da stehe ich jetzt noch nicht. 

Paulus machte Zelte, als es die Situation ergab. Es kann ratsam sein, noch andere Einkommensströme zu haben, weshalb ich z.B. einen kleinen Online Shop gestartet habe. Aber auch das braucht Zeit, Investition und vor allem Inhalte. Und auch das bringt mehr praktische Fragen zu den steuerlichen Abgaben usw und ich will nicht, dass das ein Fokus ist. So muss man echt von Gott hören und auf sein Herz achten. Geld soll nicht der Fokus sein. Aber wir wollen auch schlau und weise sein und nichts ablehnen aus Tradition und angelerntem Verhalten. 

Familie

Ich hatte mal den Eindruck, dass der Heilige Geist mich darauf aufmerksam macht, dass Paulus keine Familie hatte. 

Tatsächlich kann es einen starken Druck aufbauen, wenn man konstant zu wenig hat, besonders als Familie. Ich glaube nicht, dass Gott das will. Ja, wir sollen frei vom Geld leben und wissen, dass Gott unser Versorger ist. Das beinhaltet auch Training in dem Bereich und Zeiten, wo das auf die Probe gestellt wird. Geld darf nicht der zentrale Grund unseres Wohlbefindens sein, sonst ist es an Gottes Stelle getreten. Dennoch soll finanzieller Mangel kein Dauerzustand sein. Israel wurde in der Wüste übernatürlich versorgt. Sie hatten nie zu wenige und nie zu viel und mussten lernen, Gott für jeden Tag zu vertrauen. Dennoch war die Verheißung nicht die Wüste, sondern das verheißene Land. Und dort fanden sie sich im Überfluss wieder. 

Ich kann absolut nachvollziehen, wenn ein Prediger im Reisedienst ein Honorar festlegt und sich nicht überraschen lässt. Das meine ich generell, aber besonders dann, wenn er oder sie Familie hat. Eine versorgte, gesunde Familie ist eine gewaltig schöne Grundlage für einen kraftvollen, geistlichen Dienst! Es ist sicher nicht immer die Bedingung und wie gesagt, man wächst durch Herausforderungen. Trotzdem! 🙂

Man möge sagen, dass man aber doch die Predigt des Evangelium niemanden vorenthalten darf und daher keine Höhe des Honorars festlegen sollte. Das ist sicher richtig, dennoch gibt es da eine (oft unbewusste) heuchlerische Doppelmoral. Wir reden nicht von Missionseinsätzen in armen Ländern. Wir reden von Einladungen in Gemeinden, auf Seminare etc, wo meistens auch Geldsammlungen stattfinden, aber generell einfach ein gewisses Maß an Finanzen vorhanden ist. Das Fehlen von Großzügigkeit im Bereich der Honorare hat meistens eher wenig mit nicht vorhandenem Geld zu tun. Vielmehr mit fehlendem Verständnis von Ehre, Großzügigkeit und Glauben. 

Es gibt manchmal diese merkwürdige Lüge, diese unterbewusste Haltung im Leib Christi, dass Pastoren und Prediger finanziell leiden müssen, oder wenigstens weniger haben sollten als alle anderen. Wo kommt das her? Wer kam auf die Idee? Wer hat dieses Denken eingeschleust und wo steht das in der Bibel? Ehrlich gesagt hat das nur zu Zerstörung, Scham und Druck geführt.

Sagt uns die Schrift, nicht gierig zu sein, nicht nach Geld zu streben, uns nicht abhängig davon zu machen? Ja! Und richtig so! Geld ist nicht der Erlöser und wenn man es nicht unter die Herrschaft Christi unterwirft, dient es auch nicht zu einem erfüllteren Leben, auch wenn das viele denken. Aber das bedeutet nicht, dass Prediger nicht finanziell gesegnet sein dürfen! Es bedeutet, dass sie nicht davon abhängig sein dürfen. 

Ehre lernen

Ich weiß, wir werden schon nervös. Aber es muss gesagt werden. Wer das Evangelium predigt, soll auch davon leben! Wer Geistiges sät, was ist es Besonderes, wenn er Versorgung im Natürlichen erntet? Aber es geht noch weiter:

Die Ältesten, die gut vorstehen, sollen doppelter Ehre gewürdigt werden, besonders die in Wort und Lehre arbeiten. 1. Tim 5, 17

Den Vers nochmal in der Guten Nachricht Übersetzung:

Älteste, die leitend in der Gemeinde tätig sind und ihren Dienst gut versehen, haben doppelten Lohn verdient, besonders wenn sie sich mit ganzer Kraft als Prediger und Lehrer einsetzen.

Die Elberfelder Bibel macht es deutlich, in dem sie dem Wort „Ehre“ eine Fußnote verpasst. Es heißt „doppelter Lohn“. 

Könnte man hier von einer Festanstellung in der Ortsgemeinde sprechen? Klar kann man! Aber was echt krass ist, ist das Wort „doppelt“! Manche Gemeinden sollten mal ernsthaft überlegen, ob sie ihren Pastoren nicht das Gehalt verdoppeln sollten… (Falls es jemand nicht so spürt: Ist leicht ironisch gemeint, da die Verdoppelung mancher Pastorengehälter erst zu einem normalen Gehalt führen würde…).

Das Wort „Honorar“ kommt von dem Wort Ehre (englisch „honour“.). 

Geben ist Lobpreis und hat was mit Ehre zu tun. Auch wenn es sticht und ärgert, aber es ist tatsächlich möglich mit Finanzen Ehre auszudrücken. Und es ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Wege, um das zu tun. Reden kann jeder.  

Und jetzt kommt es richtig dicke: Ehre empfängt Erbe! Sage ich etwa, dass je mehr Geld ich gebe, desto mehr kann ich von einem Prediger empfangen? Natürlich nicht! Es ist nur im Glauben. Ich empfange kostenlos. Dennoch ist Geben eigentlich immer mit meinem Herzen verbunden. Check das mal:

Wenn ihr Lehrer habt, die euch das Wort Gottes lehren, dann solltet ihr sie darin unterstützen, indem ihr sie bezahlt. Gal. 6, 6 (NL)

Das alleine ist ja schon eine Ansage. Aber im Kontext des nächsten Verses bekommt es noch eine ganz andere Richtung! 

Wer im Wort unterwiesen wird, gebe aber dem Unterweisenden an allen Gütern Anteil! Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht verspotten! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Gal. 6, 6- 7

Wow, warte mal. Das hat großes Potential mißverstanden zu werden. Dennoch muss man es mal sagen. Die Großzügigkeit einer Gemeindefamilie gegenüber denen, die das Wort lehren, hat mit Anteil an dem Level an Offenbarung, was man aus dem gelehrten Wort empfängt. Warum? Wo unser Schatz ist, da ist unser Herz. Wenn unser Schatz beim Geld ist, werden wir wenig großzügig, eher geizig und sehr selbstfokussiert leben. Unser Herz ist automatisch mehr zu und abgestumpft für das lebendige Wasser der Offenbarung. Doch fröhliche Geber haben automatisch offene Herzen und damit einen Boden, wo die Saat des Wortes leicht landet und gedeiht. Sie sind Magneten für göttliche Erkenntnis!

Keine Sorge, im nächsten und letzten Abschnitt des Artikels schauen wir uns auch noch Gefahren des Ganzen an. Aber wir können die Augen nicht vor der Realität der Ehre durch Finanzen und Versorgung verschließen, nur weil es ein Anstoßthema ist. Paulus hat kein Gehalt genommen, um Anstoß zu vermeiden, aber gleichzeitig darüber geschrieben und gelehrt und zwar nicht zu knapp! Ich habe bei uns mal gepredigt, dass wir geistlichen Eltern, Mentoren, Lehrern usw, die unser Leben geprägt haben, in irgendeiner Form Ehre bringen sollen, und dabei ruhig den Gedanken zulassen, dass mit Finanzen zu tun. Habe dabei aber klar gemacht, dass ich nicht mitmache, selbst wenn ich so ein Mentor wäre. Ich habe mich, bevor ich darüber gepredigt habe, fest entschlossen, keinerlei Geldgeschenke im Kontext dieser Lehre anzunehmen und sagte das auch, damit mir eben niemand unlautere Motive unterstellen kann. 

Für uns als Prediger: Wir brauchen eine Überzeugung vor Gott und was immer wir entscheiden, wir tun es im Glauben und ohne Scham und sind bereit, es auch spontan, anzupassen, wenn der Geist Gottes anders leitet. 

Für die, die vom Prediger / Pastor empfangen: Großzügigkeit ist ein Reich Gottes Wert, der das Herz des Vaters (der ein Geber ist) ausdrückt und das Herz frei von Gier, Geiz, Unglaube und Härte hält. Lasst uns lernen durch Geben zu ehren und dabei großzügig und voller Glauben sein. Gott lässt sich nicht lumpen. Wir werden Gutes ernten!

Die Gefahr

Nun ist mir natürlich völlig klar, dass man das total missbrauchen kann. Nicht jeder Prediger hat so ein krass reines, ausgerichtetes und heilig motiviertes Herz wie der Apostel Paulus. Aber, und das ist ein dickes Aber, man kann nur missbrauchen, was vorher brauchbar war. Also statt in Angst zu reagieren, lernen wir der Wahrheit glaubensvoll zu folgen. 

Dennoch gibt es Warnungen. Und wir tun gut, sie uns anzusehen. Auch hier ist mir wichtig herauszuarbeiten, dass es um die Leitung des Geistes geht und um persönliche Verantwortung, nicht um Gesetze, Regeln und das Richten anderer, die vielleicht anders leben als ich.

Schauen wir uns noch mal kurz an, dass Älteste, Pastoren etc ein Recht auf Bezahlung haben. 

Älteste, die leitend in der Gemeinde tätig sind und ihren Dienst gut versehen, haben doppelten Lohn verdient, besonders wenn sie sich mit ganzer Kraft als Prediger und Lehrer einsetzen. In den Heiligen Schriften heißt es: »Einem Rind, das zum Dreschen eingespannt wird, darfst du das Maul nicht zubinden.« Es heißt auch: »Wer arbeitet, hat ein Anrecht auf seinen Lohn.« Eine Klage gegen einen Ältesten höre nur an, wenn sie von zwei oder drei Zeugen bestätigt wird. 1. Tim. 5, 17- 19 (GN)

Ich meine, das hört sich doch verführerisch an, oder (vorausgesetzt es gibt die Gemeinden, die das wirklich so handhaben)? Sicher ahnt der eine oder andere unsichere Charakter seine Chance: „Wenn ich Pastor werde, bin ich abgesichert, juhuuuu! Und gegen mich klagen darf man auch nur mit Zeugen! Bam, das will ich!“ Und sicher hat Paulus dieses Motiv bei anderen in Seinem Dienst auch erlebt. Gier ist eine Versuchung, die aus mangelnder Gotteskenntnis über die Güte Gottes kommt. Sie ist ein Übel, dass man bekämpfen muss. Und das tut Paulus nur ein Kapitel weiter:

… Solche Menschen haben ihren gesunden Verstand verloren. Sie sind so weit von der Wahrheit abgeirrt, dass sie meinen, Gott zu dienen sei ein Mittel, um reich zu werden.

Da haben wir es. Das Motiv, Gott wegen Geld zu dienen, ist absolut daneben! Lesen wir weiter:

Gewiss bringt es großen Gewinn, Gott zu dienen – wenn jemand nur sein Herz nicht an irdischen Besitz hängt. Was haben wir denn in die Welt mitgebracht? Nichts! Was können wir aus der Welt mitnehmen? Nichts! Wenn wir also Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen. Die, die unbedingt reich werden wollen, geraten in Versuchung. Sie verfangen sich in unsinnigen und schädlichen Wünschen, die sie zugrunde richten und ins ewige Verderben stürzen. Denn Geldgier ist die Wurzel alles Bösen. Manche sind ihr so verfallen, dass sie vom Glauben abgeirrt sind und sich selbst viele Qualen bereiteten. 1. Tim 6, 5- 10 (GN)

Geldgier ist die Wurzel allen Bösen. Wohlgemerkt nicht das Geld selbst, sondern die Gier danach. Nun hört sich dieser Text wieder so an, als ob Besitz doch wieder schlecht ist. Aber wir bemerken langsam, dass es eigentlich immer um das Motiv geht, und was wir vor Augen sehen nicht immer unbedingt ausdrückt, welches Motiv dahinter steht! Und so ergänzt der Apostel unter der Führung des Heiligen Geistes noch im selben Kapitel:

Den Reichen in dem gegenwärtigen Zeitlauf gebiete, nicht hochmütig zu sein, noch auf die Ungewissheit des Reichtums Hoffnung zu setzen – sondern auf Gott, der uns alles reichlich darreicht zum Genuss -,Gutes zu tun, reich zu sein in guten Werken, freigebig zu sein, mitteilsam, 1. Tim. 6, 17- 18

Wird was deutlich? Also zuerst einmal: Es gab „Reiche“, reiche Christen und gemeint ist reich an Geld. Er sagt ihnen nicht, den Wohlstand wegzugeben. Sondern er ermahnt sie in der richtigen Haltung zu bleiben. Von Gott abhängig, großzügig, den Wohlstand für das Reich Gottes und das Wohle aller einsetzend! Aber er verdammt es nicht, nein, er fügt sogar noch ein, dass uns Gott alles reichlich zum Genuss gibt! Wow. Paar Verse davor soll es uns noch daran Genügen Kleidung und Essen zu haben? Aber die Offenbarung geht eben tiefer. Es geht um Glückseligkeit, EGAL wieviel ich habe. Ich strebe dem Glück nicht mehr nach. Geld ist nicht mein Glück. Haben haben haben ist nicht mein Glück. Jesus ist mein Glück und alles, was ich brauche! Und wenn das Realität in meinem Herzen ist, ist es letztendlich wieder egal, was ich habe oder nicht habe! Gewaltig! Das ist wahre Freiheit! 

Motive und Abschlussgedanken

Wir schließen gerne von uns auf andere. Das automatische Bewerten der Motive anderer muss aufhören. Wir stehen alle selbst vor Gott. Eine der schlimmsten Sünden im Leib Christi ist die Annahme die Motive der anderen bewerten zu dürfen. Ich kenne Prediger, die große Summen für eine Predigt nehmen. Man könnte sich schnell aufregen und daran ärgern, bis man schamvoll den Kopf senkt, weil man herausfindet, dass jeder Cent davon an Waisenhäuser gegeben wird… Aber selbst wenn nicht, ist es nicht unser Job alles nach unseren Maßstäben zu bewerten. 

Wir schließen den Kreis. „Umsonst empfangen, umsonst geben“ ist nicht auf Predigen bezogen oder eine Aufforderung, dass bei Christen alles umsonst sein muss, sondern es geht um Zeichen und Wunder, die alleine durch Glauben freigesetzt und empfangen werden. Man kann Wunderkraft nicht kaufen und man kann sein Wunder nicht kaufen. Glauben ist der Schlüssel. Aber es geht nicht um Honorare für geistliche Dienste. Das sollte klar und mit genug Bibeltext hinterlegt sein.

Abschließend etwas aus dem Leben von Smith Wigglesworth, einem meiner Glaubenshelden der Kirchengeschichte. Er sagte zu Gott, wenn auch nur einmal die Absätze seiner Schuhe abgelatscht sein würden, würde er aufhören zu predigen. Gleichzeitig aber ging er regelmäßig in die Armenviertel predigen und nahm dann dort keinen Mantel mit, obwohl es sehr kalt war, um die Zustände dort spüren zu können und Mitgefühl zu haben. Nie hatte er abgetragene Absätze und diente am Evangelium bis zum Schluss. 

Diese Story berührt mich und zeigt mir die zwei Seiten: Zu Predigen ist kein Job, es ist Berufung! Dementsprechend tue ich es auch nicht, um Geld zu verdienen. Ich versorge auch nicht meine Familie durch meine Aufgabe als Prediger. Gott ist mein Versorger und der meiner Familie und Er hat mich berufen, zu predigen und das Evangelium zu verkünden. Also muss ich vom Evangelium leben und vertraue und glaube Gott, dass Er alles reichlich gibt zum Genuss und bin gleichzeitig komplett zufrieden in Ihm, egal, was ich habe oder nicht habe. Ich arbeite nicht für Geld. Ich lebe meine Berufung.