Die Sache mit dem Dienen

Die Sache mit dem Dienen

Ich hörte am Anfang meines Lebens mit Christus in meiner damaligen Gemeinde, dass „dienen“ etwas ist, was echte Männer und Frauen Gottes ausmacht. Besonders die Dinge, in denen man nicht gesehen wird, keinen menschlichen Lohn bekommt und die sonst keiner machen will. Ich erinnere mich, wie ich ich in einer Jugendgruppe stand und jemand gesucht wurde, die Toiletten des Gemeindegebäudes zu putzen. Es war ein relativ großes Gebäude mit vielen Toiletten… Sofort rief ich: „Ich!! Ich!! Ich!!!“ und drehte mich hin und her, damit alle es sehen konnten. Ja, damit alle sehen konnten, dass ich so ein geistig reifer und krasser Typ war, der dient! Sogar als Kloputzer!

Als ich die Toiletten dann später putzte, hoffte ich immer, dass der Pastor vorbei kommt. Oder wenigsten irgendwer. Am liebsten jemand, der auch weiß, dass echte Männer Gottes dienen. Am Besten jemand mit Einfluss in der Gemeinde. Ein Leiter… 

Natürlich muss ich heute darüber lachen. Mein Motiv zu dienen kam aus einer völlig falschen Motivation. Auch wenn mein Herz richtig war und ich ein Mann Gottes sein wollte, war mein ach so freiwilliger Einsatz doch aufgebaut auf ein Mangel an Identität und der Suche nach Anerkennung. Ich nutzte eine wichtige Wahrheit allein für mich selbst. Ist das nicht komisch? Man dient anderen, aber eigentlich sich selbst. Darüber sollte man mal nachdenken. Wichtig: Die Toiletten wurden dadurch trotzdem sauber…

Später als Pastor war ich sehr zögerlich, was das Thema „Dienen“ angeht. Ich wollte das Thema nicht nutzen, damit ich Menschen dazu bewege (oder besser: manipuliere) in der Gemeinde mitzumachen. Außerdem, als jemand der Gnade predigt, durfte Anerkennung und Geltungssucht nicht mehr das Motiv sein. Es musste andere Wege geben. Dennoch ist Dienen eine gewaltige Grundlage des echten christlichen Glaubens… hmmm….

Motive

Ist Dienen denn dann falsch, wenn das Motiv nicht stimmt? Ja und nein. Würde ich nicht dienen, käme das falsche Motiv vielleicht nie ans Licht. Denn wir wachsen am Meisten, in dem wir es machen und werden dabei mit Wachstumsprozessen konfrontiert. Doch diene ich im bewussten Wissen meines Identitätsmangels immer weiter, ohne mich auf echte Reife einzulassen und da raus wachsen zu wollen, dann wird es tatsächlich unsauber. Zu guter Letzt müssen Dinge dennoch getan werden. Und manchmal fragen die Dinge nicht, welches Motiv man hat… Also ist das Motiv zu dienen letztendlich sehr wichtig, aber für den Start braucht es nur ein lernbereites Herz.

Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele. Markus 10, 45

Jesus kam, um zu dienen, nicht um bedient zu werden. Doch Sein Motiv zu dienen kam aus reiner Liebe. Er wollte den Menschen Gutes tun und den Willen des Vaters freisetzen (Gutes). Seine Bedürfnis nach bedingungslose Annahme hatte Er schon vom Vater im Himmel völlig gesättigt. Er suchte weder Anerkennung noch Liebe, noch versuchte Er eine innere Leere zu stopfen. Er war voll, Er war Liebe, Er brauchte nichts auf dieser Ebene. All das hatte Er. Er wusste, wer Er war! 

Und bei einem Abendessen, als der Teufel schon dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, es ins Herz gegeben hatte, dass er ihn überliefere, 

steht Jesus – im Bewusstsein, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben und dass er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe – 

von dem Abendessen auf und legt die Oberkleider ab; und er nahm ein leinenes Tuch und umgürtete sich. 

Dann gießt er Wasser in das Waschbecken und fing an, die Füße der Jünger zu waschen und mit dem leinenen Tuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. Johannes 13, 2- 5

Kannst du sehen, in welcher Sicherheit der König der Könige eine Arbeit macht, von der man „unter Seiner Würde“ sagen könnte? Die Füße der Menschen dieser Zeit lebten ein anderes Leben als heute. Meist barfuß in Sandalen durch Staub und Kot der Lasttiere waren sie meistens sehr dreckig. Man hatte extra Leute (Sklaven) für solche Art Arbeit. Es muss ein Schock für die Jünger gewesen sein, als Jesus ihnen die Füße waschen wollte! Und wir sollten nicht übersehen, dass Jesus sogar die Füße des Judas wusch, obwohl Er schon wusste, was in seinem Herzen vorging… 

Doch Jesus ist sicher in Seiner Identität. Er weiß sich geliebt und bestätigt vom Vater im Himmel, unabhängig Seiner Werke. Jesus wusste, wer Er war und was Sein Auftrag war. Was Menschen dachten, konnte das nicht ändern! Egal, was Er tat oder nicht tat! Jesus diente nicht für sich Selbst!

Da dürfen wir hinein wachsen. Es wird nicht sofort auf dem Level sei. Aber mit offenen Herzen, der Bereitschaft zu lernen und zu reifen, werden Dinge deutlicher werden, wenn wir uns entscheiden zu dienen.

Sohnschaft

Zu verstehen, dass wir geliebte Kinder Gottes sind, angenommen und wertvoll, ist die Grundlage für gesunden Dienst. Wenn die Suche nach Anerkennung und Liebe nicht durch die Wahrheit der Sohnschaft (Söhne und Töchter Gottes aus Gnade durch Jesu Sein Werk vom Kreuz) gesättigt wird, wird sich dieses gottgegebene Bedürfnis andere Wege suchen, um erfüllt zu werden. Wenn man es vorher in der Welt sättigen wollte, versucht man es dann eben in der Gemeinde. Man dient, um gesehen zu werden. Man dient, um gefeiert zu werden. Man dient, um jemand Wichtiges zu sein. Man dient, um anerkannt zu werden. 

Aber das wahre Motiv zu dienen ist Liebe. Liebe sucht nicht das ihre. Und deswegen muss sie auch nicht gesehen werden, wenn sie dient. Aus Liebe zu dienen, führt dazu, dass man seinen Lohn von Gott allein erwartet und es letztendlich egal ist, ob ich gesehen werde, oder nicht. Ich lebe dann vor Gott, vor dem Publikum des Einen. Egal ob versteckt und ohne Zuschauer, oder vor Tausenden – meine Haltung und mein Einsatz bleibt gleich.

Jesus beschreibt das unter anderem beim Thema Geben:

Habt acht auf eure Gerechtigkeit (Wohltat, Geben), dass ihr sie nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden! Sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist. Matthäus 6, 1

Jesus deckt hier Heuchelei auf. Die Heuchelei großzügig zu sein, aber letztlich nur für mich selbst. Ich baue einen äußeren Anschein auf, für Andere da zu sein. Aber mein Motiv bin ich selber. Tragischerweise gibt es das auf allen Ebenen. Man kann Menschen, die man zu Jesus geführt hat, als Trophäen behalten. Man kann sein aufopferungsvolles Geben von Geld immer wieder betonen. Man kann sich auf Werken ausruhen, um sich besser als andere zu fühlen, ja, man kann ganze christliche Dienste aufbauen und alles am Ende nur für sich selbst. Gruselig! 

Motive lassen sich schwer einschätzen. Jesus sagt ja noch nicht mal, dass man das Geben nicht auf vor Menschen tun kann. Er spricht das Motiv an: „…um von ihnen gesehen zu werden.“ Das kann nur jeder selber prüfen und Gott ranlassen. Von außen sollten und dürfen wir es nicht bei Anderen bewerten, auch wenn es irgendwann immer sichtbar wird. Man erntet, was man sät. Es gilt: Ohne Liebe sind wir nichts. Das Werk kann Frucht bringen und anderen sogar helfen, aber wir sind nichts (siehe 1. Korinther 13, 1-3). Wir gehen am Herzen Gottes vorbei, welcher diente, weil Er liebte! Dienen ist ein Ausdruck von Liebe!

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, denn sie lieben es, in den Synagogen und an den Ecken der Straßen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Matthäus 6, 5

Wenn ich ehrlich zu mir bin und merke, was ich eigentlich für mich tue, kann ich es los werden. Doch wenn nicht, habe ich meinen Lohn dahin. Denn das Klatschen, das Gelobt werden, das Gefeiert werden, die Entlohnung der Menschen ist dann mein Lohn. Mehr nicht. Oder das Ausbleiben mein Zusammenbruch. Denn wenn ich für den Applaus der Menschen lebe, wird der fehlende Applaus, oder sogar die Kritik, mich zerstören. Doch der Lohn (Applaus) von Gott ist so viel besser. Wenn mein Dienst für Gott als Anbetung und aus Liebe zu den Menschen ist, darf ich Lohn erwarten! Das darf doch motivieren! 

Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut; damit dein Almosen im Verborgenen sei, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten. Matthäus 6, 3- 4

Einige Übersetzungen ergänzen das Wort „öffentlich“. Anders ausgedrückt: Wenn ich meinen Dienst für Gott tue, wird Er mich sichtbar belohnen! Gunst, Freude, Leichtigkeit, Freude und vor allem das Ebenbild Gottes in uns, was mehr hervorkommt… diese ganze herrliche Gnade nimmt dann zu!

Kann ich selber merken, wenn meine Motive schräg sind?

Symptome fehlender Identität im Kontext von Dienen gibt es viele. Danach zu suchen ist kontraproduktiv! Doch sie zu erkennen, sollten sie auftreten, ist wichtig, um die Wahrheit meiner Annahme in Christus dagegen zu stellen und bewusst praktische Schritte dagegen zu unternehmen. Hier sind ein paar Symptome:

  • Ich suche den Applause und den Lob anderer, wenn ich etwas getan habe.
  • Wenn Applause und Dank ausbleiben, fühle ich mich ungeliebt und minderwertig.
  • Wenn Applause und Dank ausbleiben, sinkt meine Meinung denen gegenüber, von denen ich es erwartet habe.
  • Ich werde frustriert und verärgert, wenn andere bevorzugt werden, die aber scheinbar weniger tun als ich.
  • Ich habe Erwartungshaltungen an die, für die ich was getan habe (statt an Gott).
  • Ich erzähle ständig und überall allen, was ich Tolles tue oder getan habe.
  • Ich kann sehr schlecht mal nichts tun.
  • Ich habe Schwierigkeiten, wenn andere geehrt werden für das, was sie getan haben. Besonders, wenn es der Arbeit ähnelt, die ich auch tue. Mir kommen schnell Gedanken wie: „Das habe ich mehr verdient!“
  • Mir fällt es schwer, andere zu ehren.

Nicht mehr Dienen, bis das Motiv stimmt?

Soll ich jetzt mit dem Dienen warten, bis alle meine Motive stimmen? Im Grunde haben wir die Frage schon beantwortet: Doch! Unbedingt dienen! Es gehört zur Christusähnlichkeit und wir wachsen darin! Plus Dinge werden getan!

Das Dienen wird manche Haltungen erst offenbaren! Doch wenn ich vorher bescheid weiß (spätestens nach diesem Artikel ;), kann ich dankbar sein, wenn falsche Haltungen, Gewohnheiten usw. ans Licht kommen und konfrontiert werden! Ist ein bisschen der gleich wunderbare Prozess, wie es in der Ehe vorkommt: Bestimmte Dinge in deinem Verhalten kanntest du nicht, bis du eine Weile verheiratet warst… Aber das ist ja nichts Schlimmes! Sondern die Chance, es los zu werden und wirklich zu wachsen! Denn es kam nicht durch die Ehe, sondern es kam hervor durch die Ehe! Es war die ganze Zeit da, aber nicht sichtbar. Dasselbe passiert beim Dienen!

Zu dienen ist nämlich tatsächlich ein Zeichen von Reife. Ich kennen keinen Christen, der mit Jesus abgeht und feurig Ihm nachfolgen will, der nicht bereit ist zu dienen – und zwar nicht nur, was er sowieso gerne tut. Ich habe einen sehr erfahrenen Mentor, welcher sogar sagt, dass Dienstbereitschaft ein Gradmesser für geistige Reife ist. Klar, der Satz braucht Ergänzung, aber das Herz ist klar: Niemand, der in Liebe wächst, lebt für sich selbst! Und dann kann ich auch mal Sachen machen, die vielleicht nicht direkt in mein Gabenprofil passen oder der Traum meines Lebens sind. Ich diene für einen größeren Zweck! Ich diene in einer geistigen Familie! Dienen macht was mit meinem Herzen! Dienen zeigt Demut. Und Demut empfängt Gnade! Es gibt die, die alles mit sich abmachen, alles besser wissen, nur machen, was ihnen passt. Und es gibt die, die dienen. Wer wohl schneller und glücklicher wachsen und reifen wird? 

Letztendlich hängt alles an der Erkenntnis unserer Identität in Christus und der Liebe des Vaters zu uns, die nichts mit Werken zu tun hat. Ja, in der Welt heute zählt Leistung. Doch vor Gott zählt Vertrauen. Daraus kommt Leistung, nicht anders rum. Ich arbeite nicht für Anerkennung. Ich bin angenommen, geliebt und anerkannt von meinem Vater, der Gott ist. Daraus arbeite und diene ich. 

Wie weit ich in dieser Erkenntnis bin, zeigt sich aber erst, wenn ich diene…

Also, wie ich es auch drehe, ich muss anfangen zu dienen! Wenn dadurch Mangel aufgedeckt wird, dann nur, damit er gefüllt wird. Das ist so gut! Man kann nur gewinnen, wenn man einmal darauf sensibilisiert ist! Und mal nebenbei: Aus der reinen Liebe und Annahme des Vaters zu leben, ist FREIHEIT! 

Also geh und diene! Diene als Sohn/Tochter Gottes! Diene als König, als Königin! Diene als jemand, der weiß, wo er herkommt, wofür er berufen ist und wo er hingeht! Diene aus Liebe im Namen Jesus! Dein Lohn kommt bestimmt!

Euer Conrad Max Gille