„Hyper-Grace“ und die Sünde

„Hyper-Grace“ und die Sünde

Seit einigen Jahren gibt es diese Debatte über „Hyper-Grace“ – „Hypergnade“. Dieses Wort wurde zu einer Art Schimpfwort, welches vor einem Missbrauch der Gnade Gottes warnen sollte. „Hyper-Grace“ wird als Irrlehre bezeichnet und beschreibt ungefähr das folgende Denken:

Christen, welche unter dieser Irrlehre gefangen sind, nutzen die Gnade als eine Ausrede, um zu sündigen. „Mir ist doch sowieso vergeben.“ „Gott hat meine Sünde vergeben und bezahlt, also kann ich jetzt ohne Konsequenzen sündigen.“ „Ist nach dem Kreuz doch eh egal, was ich mache.“ usw. 

Auch wenn ich noch nie in meinem Leben jemanden sowas habe sagen hören, verstehe ich diese Richtung des Denkens hinter dem Vorwurf der „Hypergnade“. 

Das Herz dahinter kann ich auch sehr gut nachvollziehen. Man möchte nicht, dass Menschen sündigen, also sich und anderen weh tun. 

Gut, da ist das Motiv, warum man das nicht möchte, natürlich wieder offen. Schutz, Mitgefühl, Liebe, das Beste für den anderen wollen, dem Leib Christi Gutes tun? Oder auch Selbstgerechtigkeit, Wichtigtuerei, Aufmerksamkeitssuche, von sich selber ablenken wollen… Was es auch immer ist, aber ein paar Gedanken muss man mal klar sagen:

1) Jesus starb am Kreuz, um mich von Sünde zu befreien

Falls man denken sollte, dass meine Sünde heute nicht mehr so wichtig ist, da Jesus ja bezahlt hat, habe ich das Kreuz und das Herz Gottes überhaupt nicht verstanden! Ich lebe dann tatsächlich in einer dicken, dunklen Lügenblase. 

Denk doch mal mit: Jesus stirbt den grausamsten Tod am Kreuz, unschuldig, indem Er ALLE Schuld der ganzen Welt und aller Zeit und jedes Menschen nicht nur auf sich lud, sondern die Bibel sagt, Er wurde es! Er, der Reine und Unschuldige, identifizierte sich mit dem Grauen schlechthin, mit den tiefsten Abgründen der menschlichen Existenz, um die gerechte Strafe dafür auf sich zu nehmen und diese Sünde in Seinem menschlichen Leib zu richten, indem Er den Tod dafür schmeckte. 

Damit du und ich heute weiter sündigen können?!?

 

Man möchte ganz im jugendlichen Stil sagen: „Echt jetzt?!?“

Oder: „Gehts noch?!?“

Eine sehr lose eigene Übersetzung von Römer 6 Vers 2 könnte man auch mit „Wie dumm!“ übersetzen… 

Nicht nur starb Jesus für mich am Kreuz, auch starb Er als ich. Denn in Seiner Identifikation mit der Sünde der Menschheit ist automatisch die Identifikation mit der Menschheit inbegriffen. Denn wir waren das Problem. Hier mal die Verse 1 und 2 aus Römer 6:

Was sollen wir nun sagen? Sollten wir in der Sünde verharren, damit die Gnade zunehme?

Auf keinen Fall! Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie werden wir noch in ihr leben?

Wir sind der Sünde gestorben.

Nun, wir sind der Sünde gestorben, damit wir nun richtig in ihr loslegen können? Und jetzt, Dank Gott, ohne Konsequenzen, da Jesus sie getragen hat? „Auf keinen Fall“, „Nimmermehr“, „Unmöglich“…

Wir sehen, auch der Apostel Paulus hatte mit den Anfeindungen zu kämpfen, dass die Botschaft der Gnade dazu führt, Menschen die Freiheit zu geben zu sündigen. Ein alter Hut! Immer da, wo echte Gnade gepredigt wird, gibt es solche, die meinen es sei eine Erlaubnis Mist zu bauen. Dabei ist es die Botschaft der Freiheit von dem Mist!

Dahinter steht aber noch ein weiterer Irrglaube: Sünde ist cool. Oder Sünde befriedigt und tut gut.

Gott hasst Sünde. Aber nicht, weil Er etwas zum hassen braucht. Er, als unser Designer, unser Schöpfer und Gestalter, Er weiß am Besten, was uns gut tut. Und alles, was gegen Sein göttliches Design geht, also was uns zerstört, unser Potential beschneidet, unsere Bestimmung zerstört, unsere Gesundheit bedroht… all das ist Sünde. Man könnte sagen, dass alles, was gegen göttliche Liebe (Agape) geht, Sünde ist. 

Sünde zerfrisst, zerstört, verhindert, begrenzt, macht kaputt, tötet, vernichtet, und such dir selbst noch Worte, die in diese Kategorie passen. 

Deshalb hasst Gott Sünde: Weil sie uns kaputt macht. Genau deshalb hat Er den Sieg über sie errungen am Kreuz. Nicht, damit du und ich uns weiter kaputt machen können und dabei noch Halleluja rufen, sondern FREI SIND! 

Frei von was? Ja klar, frei von Sünde!

Denken wir nochmal an diese völlig schräge, ja dämonische Schlussfolgerung: Jesus stirbt für meine Sünde am Kreuz, damit ich jetzt weiter sündigen kann… 

Diese Art Schlussfolgerungen werden gerne „Hyper-Grace“ genannt. Leider befindet sich das Wort „Gnade“ (Grace) auch darin und die echte Gnade wird beschmutzt. Menschen bekommen ein komisches Gefühl in dem Moment, wo nur das Wort Gnade benutzt wird. Und das sollte nicht so sein. Echte Gnade ist skandalös, höchst ungerecht, unlogisch, krass und ohne Vergleich. Und nur in diesem radikalen Charakter entfaltet sie ihre Wirkung: Freiheit. Punkt zwei:

2) Gnade ist immer noch der einzige Weg, um frei von Sünde zu leben

Gerade in dieser Zeit habe ich von einem ziemlich bekannten Prediger gehört, dessen scheinbar sehr zerstörerischer und unreiner Lebensstil ans Licht kommt. Er schrieb selber einen Brief über seine Situation und bewertetet seine Schwierigkeiten mit Sünde anhand von Römer 7, wo Paulus schreibt, dass er das Gute tun will, aber nur das Schlechte findet. 

Was für eine Ausrede, um weiter in der Gefangenschaft dessen zu leben, wovon Christus uns am Kreuz befreit hat! Paulus schreibt doch nicht in Römer 6 und 8 über die Freiheit im Geist, die Kraft des Kreuzes und die Befreiung von Sünde, Schuld und Scham, um in Römer 7 Ausreden für einen unreinen Lebensstil wegen seiner sündigen Natur darzulegen! Das passt sowas von nicht! Dieser fokussierte und hingegebene Mann Gottes (Paulus) lebte nicht in einem ständigen Konflikt mit Sünde! Er kämpfte nicht andauernd mit irgendwelchen Lüsten und Verlangen, die er gerne befriedigen würde, aber nicht darf – und immer wieder unterliegt. Er hatte ganz andere Probleme! Er beschrieb seinen Zustand der Schizophrenie von Gut und Böse vor der Gnade – unter dem Gesetz. (Um einen ganzen Artikel über Römer 7 zu lesen, der tief in das Thema einsteigt, klick hier)

Lieber Leser, lies bitte ganz aufmerksam: Gnade, echte Gnade, göttliche Gnade und davon gaaaaaanz gaaaaanz viel und im Übermaß und überfließend ist immer noch die EINZIGE Möglichkeit, um frei von Sünde zu leben! Zum Gesetz – der eigenen Kraft im Kampf gegen Sünde zurück zu kehren – bewirkt das Gegenteil (Und nebenbei gesagt ist in sich eine Sünde…)! Die Kraft der Sünde ist das Gesetz (siehe 1. Kor 15, 56)!

Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade. Römer 6, 14

Bitte lies den Vers hier drüber nochmal. Danke. Wieso wird die Sünde nicht über uns herrschen? Genau. Weil wir UNTER GNADE sind. Und diese Gnade ist extrem und funktioniert nur „pur“, also ohne Vermischungen.

3) Echte Gnade ist „über die Maßen“

Was wird deutlich? Deutlich wird, dass nicht die Gnade, oder zu viel Gnade, oder „Hypergnade“, oder was auch immer, das Problem mit der Sünde ist, sondern KEINE GNADE! Denn ein Verständnis der Gnade, welches mich dazu führt, die oben genannten Schlussfolgerungen zu treffen und „jetzt endlich sündigen zu können“, ist keine Gnade. Es ist dämonische Irrlehre, die in Gefangenschaft führt. Deutlich genug? 

Echte Gnade ist tatsächlich absolut über die Maßen, unverschämt großzügig und gewaltig überfließend! Unverdient – und doch alles geschenkt! 

Denn wenn durch die Übertretung des einen der Tod durch den einen geherrscht hat, so werden viel mehr die, welche den Überfluss der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus. Römer 5, 17

Was werden die, die den Überfluss der Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit empfangen haben tun? Richtig: HERRSCHEN! Nicht: von Sünde beherrscht sein. Aber hier ist noch ein kleines Detail: das Wort „Überfluss“. Denn es beschreibt ein Überfließen, ein viel mehr als genug, ein alles normale Übersteigen! Echte Gnade ist in gewissem Sinne „Hyper“. Der Überfluss der Gnade.

Nun, mir gehts hier nicht um Wortspiele. Ich möchte gerne, dass die Gnade ihren rechtmäßigen Platz bekommt. Nicht beschmutzt mit etwas, was sie nicht ist. Sondern total offenbar, als die einzige Kraft, die dich und mich diesen herrlichen, heiligen, kraftvollen und fröhlichen Lebensstil des Himmels leben lässt – nicht aus unserer Kraft, sondern der des Heiligen Geistes. Ein Überfluss an Kraft und Befähigung, um wie Jesus zu leben! Ein „Hyper-Leben“! Aufgedreht und überdreht mit Jesus! Heilig wie Er, gerecht wie Er, befähigt wie Er! Seinen Charakter, Seine Treue, Seine Klarheit und Liebe… alles durch und aus Gnade! Eigene Kraft versagt auf das Übelste! Nur das völlig Werfen auf die befähigende Gnade Gottes kann das!  

Hoffe, das hat dich gesegnet, Dein Conrad